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Reflexion der Forschungsarbeit zum Thema Pro-Reli Initiative und die Form von Religionsunterricht auf dem DEKT

26.07.2009

von Claas Fraedrich, Dimitrios Kotrotsos und Olaf Schlepegrell

Wir sind drei Studenten der Religionswissenschaft, davon zwei Religionspädagogen, aus dem Seminar „Mensch, wo bist Du? Religionswissenschaftliche Perspektiven auf das Event „Deutscher ev. Kirchentag“ und werden hier unsere Erfahrung zu unserer ersten Feldforschung vorstellen.

Auf das Thema unserer Arbeit sind wir wegen unseres beruflichen Studienschwerpunktes und unserer Berufsperspektive gekommen.

Zuallererst mussten wir uns für ein Thema entscheiden, um unsere Forschungsfrage zu entwickeln. Feldforschung war für uns alle Neuland und haben deshalb unsere erste Forschungsfrage “Was halten Sie von der Pro – Reli – Initiative und der Entscheidung in Berlin?“ zu weit gestellt. Unser brain-storming hatte zwei Richtungen fokussiert, zum einen Themen, die uns das Programm zum Kirchentag vorgab, zum anderen unser persönliches Interesse. notizen_gruppe4Wie schon im Titel unserer ersten Forschungsfrage enthalten, wollten wir Bezug nehmen auf die Debatte in Berlin zum Religionsunterricht . Als Gruppe informierten wir uns über die Diskussion in Berlin zur Pro-Reli Initiative bei Spiegel Online und Zeit.de.Wir hatten Hoffnung, dass unsere Recherche sich positiv auf die Interviewverläufe auswirkt. Wir nahmen an, dass unsere Interviewees über die in Berlin geführte Debatte informiert sind. Unsere eigene Vorbereitung hätte dann den Interviews mehr Tiefe gegeben, da wir inhaltlich gut vorbereitet wären. Es stellte sich aber heraus, dass unsere Vorbereitung in keinem Interview gefordert war. Hätten wir mehr Erfahrung in Feldforschung gehabt, hätten wir das brain-storming noch enger gefasst und wir hätten effektiver recherchiert.

Der nächste Schritt bestand darin, für unsere Forschungsarbeit einen geeigneten Ort und eine passende Veranstaltung zu suchen. Zur Auswahl standen der Vortrag von Herrn Dr. Spieß und die Podiumsveranstaltung „Reli Pro und Contra“. Die Entscheidung für die Veranstaltung von Dr. Spieß ist uns leichter gefallen, da Kontakt durch seine Tätigkeit im Institut der Religionswissenschaft der Uni Bremen mit ihm leichter herzustellen war. Darüberhinaus wäre es terminlich nicht allen Gruppenmitgliedern möglich gewesen zum Podium „Reli Pro und Contra“ zu kommen. Durch die Entwicklung der Umstände hat sich im Nachhinein gezeigt, dass ein ständiger Kontakt bei unserem Forschungsdesign nicht nötig gewesen wäre, mit einer Ausnahme die wir später erwähnen. Ein für uns persönlich wichtiger Grund uns für den Vortrag zur Bremer Klausel zu entscheiden, war die räumliche Nähe zum Stand der Religionswissenschaft auf dem Markt der Möglichkeiten und die Kopplung an die Arbeitszeiten dort, da wir auch am Stand als studentische Hilfskräfte tätig waren. spiess_gruppe4Man muss aber auch sagen, dass gerade die Vorbereitung zu unserer Forschung vor Ort leicht mit der Arbeit am Stand kollidierte. Dies hat uns ein bisschen nervös gemacht und leicht in Hektik versetzt.

Um überhaupt Besucher des Kirchentages zu interviewen, hatten wir uns überlegt den Vortrag von Dr. Spieß zur Bremer Klausel zu nutzen. Allerdings löste sich unser Aufhänger nach dem Vortrag in Luft auf, als uns bis auf eine Person die möglichen Interviewees davonliefen. An diesem Punkt dachten wir uns, dass unser Projekt sich erledigt hätte! Bei einer besseren Absprache mit Dr. Spieß und einer Bitte uns vor oder nach dem Vortrag vorzustellen, wäre uns das vermutlich nicht passiert. In unserer Not konnten wir zwei Kommilitonen überzeugen sich von uns interviewen zu lassen, damit wir unser vorgenommenes Pensum von drei Interviews erreichen konnten. An diesem Punkt steigerte sich unsere anfängliche Nervosität zu Verzweiflung.

Und dann der Ort für die Interviews: die kleine Ecke neben dem Kühlschrank am kleinen Stand der Religionswissenschaften. So war die Forschung nicht geplant! Da haben sich die Interviews als räumlich „intim“ gestaltet. Beim Ansprechen unserer Interviewees war uns siedend heiß aufgefallen, dass wir uns nicht um einen passenden Interviewort gekümmert hatten. Zu dem unentspannten Interviewort kam noch das schlechte Wetter (es prasselte lautstark Regen auf das Zelt) und die Masse an Leuten hinzu. Beides zog eine schlechte Akustik und eine eher ungeeignete Interviewatmosphäre nach sich. Bei näherem Überlegen ist es aber so, dass wir keinen anderen Ort hätten nutzen können, da wir an den Vortrag von Herrn Spieß gebunden waren. Alternativ hätten wir uns in den Regen vor das Zelt stellen können. Vielleicht hätten wir uns im Voraus mehr Gedanken zum Ort machen müssen. Dadurch waren wir gezwungen stark zu improvisieren. Aufgrund des Lautstärkepegels hatten wir auch Angst, dass wir die Interviews, die wir mit einem MP3-Player (!) aufgenommen hatten, nicht hätten auswerten können. Zum Glück mussten wir uns keine Sorge darum machen.

Nichtsdestotrotz stellte sich die Transkription der Interviews als weitgehend schwierig dar, weil Aussagen der Interviewees manchmal nicht von uns verstanden wurden. Dies soll keine Kritik an der Sprache der Interviewees sein, aber gesprochene Sprache unterscheidet sich, so wie wir es erfahren haben, stark von Schriftsprache. Zum Frust darüber gesellte sich aber auch Spaß, denn wir stellten da sprachlich keine Ausnahme.

Eine große Ausnahme stellten wir im Bereich der Methoden fest: Wir hatten keine. Unsere Methode sollte eigentlich die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring sein.

Das hat leider nicht funktioniert, da wir alle den Text in der Kürze der Zeit -nach dem Kirchentag haben Priorität auf unsere anderen Seminare an der Uni gelegt- nicht verstanden hatten. Da wir den zeitlichen Aufwand stark unterschätzt haben, kamen es am Ende zu organisatorischen Problemen.

Als sinnlos würden wir die Lektüre aber auch nicht bezeichnen, denn sie hat uns geholfen wichtige Fragen an die Dozentin zu stellen. Letztendlich haben wir unsere Inhaltsanalyse der Interviews anhand der Anweisungen unserer Dozentin durchgeführt.

Die Kategorien zur Analyse haben wir an Hand des inhaltlichen Materials gebildet. Zwar gaben die Interviews keine Unmengen an Daten her, jedoch haben sie für unsere neue Forschungsfrage gereicht. Aber zunächst einmal zu den Erkenntnissen aus unserer Analyse:

  • alle Interviewees haben eine religiöse Sozialisation in der Schule erfahren
  • alle sprechen sich für eine überkonfessionelle Form der Religionsunterrichtes aus
  • Bei der Angabe zu wichtigen Werten standen Verstandnis/Toleranz in Bezug auf interkulturelle Dialogfähigkeit im Vordergrund

Präsentation_gruppe4
Abschluss-Präsentation (pdf)

Unsere neue Forschungsfrage, die sich daraus ergab, lautete „Welchen Einfluss hat die eigen Schul- beziehungsweise Berufserfahrung auf die Position zur Form des Religionsunterrichtes?“. Bei der Präsentation unserer neuen Forschungsfrage im Seminar wurde uns unsere noch gravierendere Unschärfe unserer neuen Forschungsfrage vor Augen gehalten, sehr zu unserem Frust, da wir nun dachten, wir wüssten endlich wie man Forschungsfragen entwickelt.

Ein wichtiger Faktor unserer Forschungsarbeit war unsere Gruppenarbeit. Die Gruppenarbeit erforderte sich regelmäßig zu treffen. Die Umsetzung an claas_gruppe4sich war schon schwer, da aus unterschiedlichsten Gründen ein regelmäßiges Treffen und konstantes Arbeiten schwer war. Mal war Krankheit im Spiel, ein anderes Mal war es der Job. Eine erhebliche Einschränkung entstand dadurch, dass nur eine Person innerhalb der Gruppe neuere mediale Kommunikationsmittel benutzt, was das unabhängige Arbeiten nicht unbedingt einfacher gestaltete. Gerade die Nutzung der Plattform Stud.IP war uns über Anmeldung und Abmeldung für Seminare hinaus ungewohnt. Das führte gerade im technischen Bereich zu Problemen. Schön war, dass Probleme aber gerade dazu geführt haben, sich eingehender mit der Technik zu beschäftigen und ihre Handhabung besser zu erlernen.

Auch wenn einige festgestellt haben, dass sie kein Mensch der Feldforschung sind, haben wir viel gelernt und fanden es gerade als Lehrämtler interessant religionswissenschaftliche Feldforschung betreiben zu können. Trotz – und vielleicht gerade wegen – der ganzen Hürden, die wir als Neulinge der Feldforschung nehmen mussten, hat es uns Spaß gemacht und würden die Arbeit an sich nicht missen wollen.

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