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„Mensch, warum kommst du?“ Ergebnisse der Feldforschung zur Motivation der Kirchentagsbesucher

17.07.2009

von Susanne Morgenstern und Julia Zill

Der Rückblick:

Für all diejenigen, die unsere ersten beiden Essays ([1] [2]) nicht gelesen haben, gibt es an dieser Stelle einen kleinen Rückblick über unser Forschungsvorhaben, unseren Untersuchungsgegenstand, unsere Forschungsfragen und unsere Methoden:

Im Rahmen des Seminars: Mensch, wo bist du? Religionswissenschaftliche Perspektive auf das Event „Deutscher evangelischer Kirchentag“, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, eine Feldforschung auf dem diesjährigen Kirchentag in Bremen durchzuführen. Da eine komplette Analyse des gesamten Feldes eindeutig zu umfangreich gewesen wäre, haben wir uns als Untersuchungsgegenstand den Eröffnungsgottesdienst am Mittwoch, den 20.05.2009 auf der Bürgerweide ausgesucht. Zur Befragung der Leute, die diesen Gottesdienst besuchten, haben wir uns vor ab zwei Fragen überlegt, eine allgemeine zum Kirchentag und eine direkt zum Eröffnungsgottesdienst selbst. Für die Durchführung haben wir folgende Methoden verwendet: in einer teilnehmenden Beobachtung benutzten wir sowohl Fragebögen, als auch fokussierte Interviews. Im Folgenden werden wir Euch nun die Ergebnisse der gerade zusammengefassten Feldforschung präsentieren.

Die Auswertung Teil I:

Insgesamt haben wir 14 Besucher befragt, davon haben uns elf Personen unseren vorgefertigten Fragebogen beantwortet und drei Personen haben mit uns ein fokussiertes Interview durchgeführt. Die genaue Zusammensetzung sieht folgendermaßen aus:

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Uns ist bewusst, dass diese geringe Anzahl an Befragten durch Fragebögen nicht repräsentativ ist, aber dennoch haben wir die Ergebnisse ausgewertet, um wenigstens eine Tendenz der Befragung aufzeigen zu können. Diese Tendenz werden wir dann später mit den Ergebnissen der fokussierten Interviews vergleichen. Um die Auswertung der Fragebögen anschaulich zu gestalten, haben wir die Ergebnisse in Säulendiagrammen dargestellt.

Unsere erste Forschungsfrage lautete:

„Welche Motivationen haben Sie als Besucher des Eröffnungsgottesdienstes den Kirchentag zu besuchen?“

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a Ich fühle mich der evangelischen Kirche zugehörig.

b Ich bin/ war regelmäßiger Besucher der Kirchentage.

c Ich wohne in Bremen und bin nur aus Interesse hier.

d Ich bin Mitarbeiter des Kirchentages.

Die Antwortmöglichkeiten a-d waren auch die, die wir den Kirchentagsbesuchern zur Auswahlmöglichkeit vorgaben. Es bleibt noch anzumerken, dass die Befragten mehr als nur eine Antwortmöglichkeit geben konnten. Anhand dieses Säulendiagramms wird eine Sache sehr schnell deutlich und zwar, dass zehn der elf Befragten sich der evangelischen Kirche zugehörig fühlen und darin ihre Motivation sahen, den Kirchentag und vor allem den Eröffnungsgottesdienst zu besuchen. Als zweithäufigste Motivation wurde der regelmäßige Besuch des Kirchentages genannt. Mit jeweils nur einer Stimme wurden die Gründe „Ich wohne in Bremen und bin nur aus Interesse hier“ und „Ich bin Mitarbeiter des Kirchentages genannt.

Unsere zweite Forschungsfrage lautete:

„Welche Bedeutung hat das Event „Eröffnungsgottestdienst“ für Sie während des Kirchentages?“

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a Der Eröffnungsgottesdienst ist der wichtigste Event.

b Der Eröffnungsgottesdienst ist nicht wichtig.

c Neben dem Abschlussgottesdienst ist der Eröffnungsgottesdienst der wichtigste Event.

Auch bei unserer zweiten Forschungsfrage haben wir den Befragten die abgedruckten Antwortmöglichkeiten zur Auswahl vorgegeben. Bei dieser zweiten Frage ist das Ergebnis allerdings nicht so eindeutig, wie bei der ersten. Bei der Frage nach der Bedeutung des Events „Eröffnungsgottesdienst“ gehen die Meinungen offensichtlich auseinander. Nur drei der Befragten finden, dass der Eröffnungsgottesdienst der wichtigste Event ist. Jeweils vier der Befragten sagten, dass der Eröffnungsgottesdienst gar nicht wichtig ist oder, dass er neben dem Abschlussgottesdienst der wichtigste Event ist. Damit ist zu sagen, dass deutlich über die Hälfte der Befragten den Eröffnungsgottesdienst als das wichtigste oder zumindest neben dem Abschlussgottesdienst als der wichtigste Event auf dem Kirchentag wahrnehmen.

Die Auswertung Teil II

Um die fokussierten Interviews, welche wir auf Tonband aufgenommen haben, auswerten zu können, haben wir diese zuerst transkribiert. Bei der weiteren Auswertung konnten wir auch hier große Gemeinsamkeiten in den Antworten der Befragten feststellen. Dies ist auch der Grund, warum wir im Folgenden die Ergebnisse der drei einzelnen Interviews zusammenfügt haben.

Alle drei Befragten haben die Motivation, neue Leute kennen zu lernen und sich über christliche Themen auszutauschen und haben deshalb den Kirchentag bzw. den Eröffnungsgottesdienst besucht. Ein ebenfalls wichtiger Grund für sie zu kommen ist es, neue Kraft tanken zu können und Inspirationen für den Alltag zu sammeln. Für alle drei Befragten ist es etwas Besonderes, diese Atmosphäre genießen zu können. Auch gaben sie als Grund an, dass durch den Ausflug mit Gemeindemitgliedern, Freunden oder Verwandten zum DEKT der Zusammenhalt gestärkt wird. Als letzter Punkt wurde noch der Aspekt der tollen Konzerte*, die man auf dem Kirchentag besuchen kann, angesprochen.

Die Bedeutung des Eröffnungsgottesdienstes selbst sieht für die Befragten folgendermaßen aus:

Der Eröffnungsgottesdienst ist für alle drei Befragten wieder gleichermaßen wichtig, um von der Arbeit und dem Stress abzuschalten und sich auf die kommenden Tage einstimmen zu können. Aber auch sie sagen, wie schon das Ergebnis der Fragebögen ergeben hat, dass nicht dieses Event alleine eine so große Rolle spielt, sondern er mit dem Abschlussgottesdienst zusammen einen Rahmen um den ganzen Kirchentag spannt und somit beide Events genau gleich wichtig sind.

Zu Beginn der Feldforschung haben wir erwartet, dass sich der Eröffnungsgottesdienst als wichtigster Event herausstellen würde. Wir haben die Bedeutung des Abschlussgottesdienstes unterschätzt. Vor allem aber haben wir nicht damit gerechnet, dass die Verbindung beider Gottesdienste für die Befragten so wichtig sein würde.

Bezüglich der Motivationen hatten wir keine festen Erwartungen, da wir mit einem breiten Spektrum persönlicher Beweggründe gerechnet haben. Wir waren nur sicher, dass der größte Teil der Befragten auf Grund ihrer Kirchenzugehörigkeit am Kirchentag teilnehmen würden. Diese Annahme hat sich bestätigt. Wir haben hierbei aber die Bedeutung der Atmosphäre für die Besucher unterschätzt. Der Großteil der Befragten erwähnte jedoch genau diese Motivation. In Verbindung damit wurde auch genannt, dass man sich von dem Besuch erhoffe, neue Leute kennen zu lernen.

So lässt sich festhalten, dass die Ergebnisse unsere Erwartungen an die Feldforschung zu gleichen Teil erfüllt und ergänzt wurden.

Was konnten wir aus der Feldforschung lernen?

Auf Grund unserer Unerfahrenheit mit Feldforschung war es für uns schwer die persönliche Erwartung los zu werden, dass eine derartige Forschung repräsentativ sein müsste. Da unsere Gruppe jedoch nur aus zwei Studentinnen besteht, erwies sich dies als nicht nur unmöglich sondern auch als unnötig. Trotzdem entschieden wir uns dafür Fragebögen zu benutzen, um doch zumindest eine Meinungstendenz aufzeigen zu können. Auch wenn wir uns über die später folgende Auswertung unschlüssig waren, hofften wir doch, dass die Ergebnisse unserer Fragebögen die Auswertung der Interviews unterstützen würden.

Obwohl wir zu Beginn der Feldforschung noch 20 Fragebögen ausfüllen lassen wollten, verringerten wir im Verlauf der Forschung die Anzahl immer weiter auf elf Fragebögen. Das liegt darin begründet, dass wir sehr schnell das Gefühl hatten, genügend Material gesammelt zu haben.

Zudem ist zu ergänzen, dass wir auf den Fragebögen die zusätzliche Antwortmöglichkeit „Sonstiges“ gegeben hatten, um zu vermeiden, dass die Befragten durch unsere Antwortmöglichkeiten zu sehr in ihren Antworten beeinflusst werden würden. Es stellte sich heraus, dass die Befragten dieses Feld nutzen, um ihre Antworten zu ergänzen. Bei der Auswertung stellten wir dann erstaunt fest, dass diese Ergänzungen sich mit den Antworten der fokussierten Interviews deckten und diese somit bekräftigten.

Festzuhalten ist, dass wir im Laufe unsere Feldforschung immer weiter vom Gedanken der quantitativen Forschung abgekommen sind. Trotzdem hätten wir nicht auf die Fragebögen verzichten wollen. Neben einer groben Tendenz und der Stützung der Interviewergebnisse, gewannen wir durch sie verschiedene interessante Erfahrungen. Wie unsere Auswertung in Form der Säulendiagramme zeigt, konnten wir die Idee der quantitativen Forschung auch nie vollständig verwerfen.

Als persönliches Resümee können wir ziehen, dass wir mit unserer Gruppenarbeit sehr zufrieden waren. Wir haben uns beide immer die Arbeit gerecht geteilt und so zügig wie möglich erledigt. Auch war unser Konzept flexibel genug, uns nicht von der Änderung von quantitative auf qualitative Forschung verwirren zu lassen. Insgesamt haben wir uns ein Forschungsziel gesetzt, was für uns erreichbar schien.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Vorbereitung der Feldforschung noch sehr verwirrend schien, da wir unerfahren im Ablauf der Forschung waren. Allerdings war die Auswertung der Daten leichter als erwartet. Somit können wir ein positives Fazit über unsere Feldforschung ziehen.

Der Rückblick:

Für all diejenigen, die unsere ersten beiden Essays nicht gelesen haben, gibt es an dieser Stelle einen kleinen Rückblick über unser Forschungsvorhaben, unseren Untersuchungsgegenstand, unsere Forschungsfragen und unsere Methoden:

Im Rahmen des Seminars: Mensch, wo bist du? Religionswissenschaftliche Perspektive auf das Event „Deutscher evangelischer Kirchentag“, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, eine Feldforschung auf dem diesjährigen Kirchentag in Bremen durchzuführen. Da eine komplette Analyse des gesamten Feldes eindeutig zu umfangreich gewesen wäre, haben wir uns als Untersuchungsgegenstand den Eröffnungsgottesdienst am Mittwoch, den 20.05.2009 auf der Bürgerweide ausgesucht. Zur Befragung der Leute, die diesen Gottesdienst besuchten, haben wir uns vor ab zwei Fragen überlegt, eine allgemeine zum Kirchentag und eine direkt zum Eröffnungsgottesdienst selbst. Für die Durchführung haben wir folgende Methoden verwendet: in einer teilnehmenden Beobachtung benutzten wir sowohl Fragebögen, als auch fokussierte Interviews. Im Folgenden werden wir Euch nun die Ergebnisse der gerade zusammengefassten Feldforschung präsentieren.

Die Auswertung Teil I

Insgesamt haben wir 14 Besucher befragt, davon haben uns elf Personen unseren vorgefertigten Fragebogen beantwortet und drei Personen haben mit uns ein fokussiertes Interview durchgeführt. Die genaue Zusammensetzung sieht folgendermaßen aus:

  1. klosterwolf
    29.07.2009 um 19:49

    Gute Frage. Gut wäre auch die Frage gewesen: Mensch, was glaubst du? Man könnte das Glaubensbekenntnis abfragen und jeweils abgestufte Antworten vorgeben.
    Kann aber sein, dass es dazu schon viel gibt, ich bin religionswissenschaftlich noch ziemlich ahnungslos. Aufgefallen ist mir allerdings, dass es zumindest bei Protestanten viel „Atheismus innerhalb“ gibt, d.h. dass man sich aus den amtlich vorgegebenen Dogmen und Überzeugungen die raussucht, die einem gefallen und das evtl. noch mit weiterer Esoterik anreichert.
    MfG, Wolfgang Klosterhalfen, Düsseldorf

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