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Reflexion der Beobachtungen beim Heidenspaßfestival im Rahmen der Kinderveranstaltungen und der Lesung des „Ferkelbuches“

04.06.2009

von Jörn Brunke und Sina Marie Gogolok

Wie geplant waren wir am Samstag, den 23.5.09 auf dem „Heidenspaß“-Festival, der Gegenveranstaltung zum Bremer Kirchentag, um mit Kamera und/ oder Tonbandgerät fokussierte Interviews zu dem Buch „Wo geht es bitte zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ zu führen. Wir erschienen gegen 13.30 Uhr im Schlachthof, dem Veranstaltungsort, machten uns mit den örtlichen Begebenheiten vertraut und stellten uns dem Veranstalter sowie dem Illustrator und Vorleser Helge Nyncke vor, um unser Vorhaben zu erläutern. Desweiteren überprüften wir die Kamera, machten Testaufnahmen und sondierten die Gesprächsbereitschaft der Anwesenden.

Picture 3Das Nachmittagsprogramm des Festivals sollte laut Programm um 14 Uhr beginnen, da der Besucherandrang aber eher schleppend anlief und die Organisation seitens der BAFU („Bremer Atheisten- und Freidenker-Union“) noch nicht sonderlich vorangeschritten war, verzögerten sich „Kinderparty“ sowie die Lesung um eine Stunde. Um das gesamte Programm der Veranstaltung nochmal nachvollziehen zu können, möchten wir gerne auf die Seite der BAFU verweisen. Während dieser Verzögerung begannen wir mit Interviews unter Zuhilfenahme unseres Ansichtsexemplares des Buches.

Die „Kinderparty“ war im Programm mit „Minne und den Minnies“ angekündigt, von denen allerdings nichts zu sehen war. Stattdessen trat um 15 Uhr die Hamburger Kindergruppe „Rock Kids St. Pauli e.V.“ auf. Mit zwei 14-jährigen Mädchen der Gruppe haben wir vor der Lesung ein Interview mit dem Tonbandgerät aufgenommen. Die Mädchen kannten das Buch nicht, waren jedoch sichtlich fasziniert davon und konnten sich gut auf ein Gespräch darüber einlassen. In Kontakt mit ihnen gekommen, sind wir durch etwas „Smalltalk“ mit einer Dame, die die Kinder bei ihren Auftritten begleitet. Weiterhin befragten wir einen jungen Mann von der BAFU, der im Foyer Bücher verkaufte. Er hatte sich ein bißchen über das Buch informiert und erklärte uns, warum er der BAFU beigetreten ist. Einen weiteren Kontakt erhielten wir vor der Lesung zu zwei jungen Kirchentagsbesucherinnen. Sie wussten nicht, dass sie bei der Gegenveranstaltung zum Kirchentag gelandet waren, ließen sich aber bereitwillig von uns filmen und interviewen. Auch sie kannten das Buch vorher nicht, hatten allerdings schnell eine klare Meinung dazu, die nicht allzu positiv ausfiel. Zu der Lesung wollten sie jedoch gerne gehen. Das war auch im Allgemeinen ein sehr interessantes „Phänomen“, dass sich relativ viele Kirchentagsbesucher in den kleinen „Biergarten“ vor dem Schlachthof verirrten. Einige schienen einen Moment der Ruhe zu suchen und sich dort auch recht wohlzufühlen.

Darüber hinaus sprachen wir noch drei junge Väter, unabhängig voneinander, an, ob wir sie und ihre Kinder interviewen dürfen. Mehr oder weniger vehement wiesen dies alle drei von sich.

gruppe3amforschen-2Die Lesung, die wir komplett aufzeichneten, war mäßig besucht. Es waren ca. 30 Zuhörer anwesend, davon lediglich sechs Kinder mit einem Durchschnittsalter von ca. zwei bis fünf Jahren, was von Helge Nyncke mit Bedauern kommentiert wurde. Leider durften wir trotz unserer vorgetragenen Datenschutzerläuterungen keines von ihnen nach der Veranstaltung interviewen. Aber die spontanen Reaktionen auf die Lesung („Ohh-Schmetterling“, „Da Ferkel“ etc.) lassen darauf schließen, dass die atheistische Botschaft von der Zielgruppe geistig nicht völlig durchdrungen wurde, soweit es ein oberflächlicher erster Eindruck der Reaktionen erlaubt. Hier wäre ein Gespräch im Nachhinein mit den Kindern als auch den Müttern sehr interessant gewesen, da zielgerichtete Fragen in Bezug auf den atheistischen Gedanken im Beisein der Mutter vielleicht mehr Aufschluss über das Verständnis des Buches gegeben hätten.

Nach der Lesung gab es eine Diskussion zwischen Herrn Nyncke und einigen Zuhörern, die aber in erster Linie die gerichtliche Auseinandersetzung um das Buch und nicht den Inhalt zum Thema hatte und deshalb für unsere Fragestellung nicht vorrangig von Belang war. Wir erhofften uns wie bereits gesagt ein paar Interviews mit den Kindern, die wir nach der Lesung nicht aus den Augen verlieren wollten. Hier ist sicherlich das unlösbare Problem zu nennen, dass man nicht an mehreren Orten gleichzeitig sein kann. Wir mussten uns immer wieder über den Tag hinweg entscheiden, wen wir fragen/ interviewen wollen und wen nicht. Generell konnten wir beobachten, dass einige Zuhörer nach der Lesung auf ihren Stühlen sitzen blieben und ihren Gedanken nachhingen bzw. ein Gespräch mit Herrn Nyncke suchen wollten.

Picture 4Von den Zuhörern konnten wir drei Personen nach der Lesung interviewen. Einen Studenten und zwei 14-jährige Mädchen. Der Student war bekennender Atheist und hatte nach der Lesung Herrn Nyncke angesprochen und eine Diskussion eingeleitet. Außerdem interessierte er sich für die Arbeit der BAFU und hatte sich bereits im Internet über die Veranstaltung informiert. Die zwei Mädchen hatten wir schon vor der Lesung angesprochen, ob sie danach nicht Lust hätten, interviewt zu werden. Die Mutter des einen Mädchens wirkte zuerst etwas skeptisch und las sich die Datenschutzerklärung durch, stimmte jedoch zu und wollte keine weiteren Kontaktdaten von uns beziehen. Die beiden Mädchen haben sich das Buch nochmals angeschaut und entweder auf zielgerichtete Fragen geantwortet oder freie Assoziationen geäußert.

Danach führten wir weitere Interviews nach Vorlage des „Ferkelbuches“ durch. Es handelte sich fast ausschließlich um Frauen, darunter eine Mutter, die das Buch vorher nicht kannten, es interessant fanden und es ihrem Kind ab ca. zehn Jahren vorlesen würden.

Die Interviews verliefen größtenteils nach unseren Erwartungen, auch wenn der Geräuschpegel, verursacht durch das angrenzende Kirchentagsareal sowie den Soundchecks im Schlachthof, von uns unterschätzt wurde. Bei ähnlichen Bedingungen würden wir in Zukunft ein hochwertiges, externes Mikrofon mit uns führen.

Abschließend lässt sich sagen, dass wir im Großen und Ganzen mit unserer Arbeit zufrieden sein können. Auch wenn wir gerne Kinder interviewt hätten, lässt sich das gewonnene Material für die Frage nach dem pädagogischen Wert des „Ferkelbuches“ gut verwerten. Die Methode der teilnehmenden Beobachtung in Verbindung mit fokussierten Interviews hat sich unserer Meinung nach als zielführend herausgestellt. Auch, dass wir uns beim Filmen und Interviewen abwechselten, hatte den erwünschten, konzentrationssteigernden Effekt. Zum Schluss noch mal herzlichen Dank an unseren Tutor Paul, der uns mit seiner Anwesenheit moralisch unterstützte.

Nachtrag:

Zuhause mussten wir mit Schrecken feststellen, das sich der Datenträger nicht aus der Kamera entfernen ließ. Die Daten konnten zum Glück in der Medienstelle der Universität gerettet werden. Einen herzlichen Dank an die Kollegen dort!

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