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Mensch, warum kommst du? Die Motivation der Kirchentagsbesucher, diesen zu besuchen

von Susanne Morgenstern und Julia Zill

Am 21.05.2009 konnten die Leser des Weser Kuriers nachlesen, dass schätzungsweise 80.000 Menschen am vorherigen Tag am Eröffnungsgottesdienst des Kirchentages auf der Bürgerweide teilgenommen haben.
Wir, Julia Zill und Susanne Morgenstern, haben uns im Vorfeld zum Ziel gesetzt, nach den Motivationen der Kirchentagsbesucher zu forschen, den Kirchentag in Bremen zu besuchen. Wie schon in unserem ersten Essay beschrieben, hat es uns interessiert, welche Bedeutung das Event Eröffnungsgottesdienst für die Teilnehmer hat.

Zu diesem Zweck haben wir uns am 20.05.2009 selbst auf der Bremer Bürgerweide umgesehen, Interviews geführt und konnten somit zu interessanten Einsichten gelangt.

Obwohl der Eröffnungsgottesdienst erst um 18.00Uhr beginnen sollte, haben wir uns bereits für 16.00 Uhr neben der Bürgenweide verabredet, um vor Beginn des Gottesdienstes möglichst viele Ergebnisse sammeln zu können. Jedoch konnten wir erst eine halbe Stunde später mit unseren Befragungen beginnen, da durch die große Besucherdichte Züge verspätet ankamen und unsere Gruppe sich nicht pünktlich treffen konnte. Trotz diesem ersten Zeitproblem trafen wir wenig später auf der Bürgerweide mit folgender Ausrüstung ein: Diktiergerät, weitere Kassetten als Ersatz, 20 Fragebögen mit den im ersten Essay vorgestellten Fragen und Antwortmöglichkeiten und 20 Datenschutzerklärungen.
Wie zuvor getestet und besprochen, machte Julia Notizen, während Susanne befragte. Dieses System bewährte sich bei unseren Testinterviews und blieb auch bei der eigentlichen Feldforschung effektiv.

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Obwohl wir unsere Scheu schnell ablegten, wollte unsere Gruppe zunächst jüngere Besucher des Kirchentages befragen, da sie uns offen und umgänglich erschienen. Es stellte sich heraus, dass die Mitglieder der ersten Befragtengruppe, Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren alt waren und regelmäßig den Kirchentag besuchen. Außerdem gaben sie als weitere wichtige Motivation an, sich der evangelischen Kirche zugehörig zu fühlen. Bei dieser Gruppe traten auch schon erste Probleme auf. Es war für uns schwierig, unseren Fokus nur auf eine Person zu richten, da meist mehrere der jungen Menschen auf die Frage antworteten und das Gespräch so durcheinander geriet. Mit einem derartigen Problem haben wir zwar gerechnet, hatten es jedoch noch nie erproben können, da wir in unseren Testinterviews immer nur eine Person, höchstens zwei Studenten gleichzeitig befragt haben. Nach diesem ersten Interview besprachen wir uns kurz, wie diese Situation vermieden werden kann und einigten uns darauf, in Gruppen immer nach einer Person zu fragen, die beginnen möchte. Für den Fall, dass mehrere aus der Gruppe etwas sagen wollten legten wir mit ihnen eine Reihenfolge der zu Befragenden fest.
Wir beschlossen schon nach dem zweiten Interview mit einem jungen Kirchentagshelfer, unsere Befragung auch auf Leute anderen Alters auszudehnen.

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Insgesamt befragten wir 14 Leute, wobei das Alter jener zwischen 15 und 55 lag. Drei der Befragten gaben uns fokussierte Interviews, während der Rest unseren Fragebogen mit uns besprach. Auch hierbei kam es fast immer zu einer abgeschwächten Form des fokussierten Interviews. Die Befragten waren alle sehr redefreudig und gaben uns gerne über die vorgegebenen Antwortmöglichten hinaus persönliche Einschätzungen und Motivationen, preis. Aus der Redelust der Teilnehmer resultierte dann unsere Entscheidung, unser Vorhaben der Befragung von 20 Fragebögen, spontan noch einmal zu reduzieren, da wir die bis dahin gesammelten Daten als ausreichend und brauchbar erhielten. Insgesamt waren wir von der Bereitschaft der Teilnehmer an den Interviews teilzunehmen sehr positiv überrascht. Nur zwei angesprochene Personen, eine junge Frau und ein älterer Mann, waren nicht bereit, auf unsere Fragen zu antworten. Außerdem haben wir versucht, Männer und Frauen in gleichen Teilen anzusprechen. Dies ist uns auch gelungen. Insgesamt haben wir sieben Männer und sieben Frauen befragen können. Als eine weitere Reaktion konnten wir feststellen, dass viele Männer auf unser Auftreten als Befragende abgelehnt reagierten und zum Beispiel schnell in eine andere Richtung schauten oder gingen. Vor allem bei Männern über 40 haben wir diese Reaktionen festgestellt. Auf diese offensichtliche Abneigung hat unsere Gruppe reagiert, indem sie diese Personen nicht angesprochen hat. Ganz andere Erfahrungen haben wir mit jungen und jugendlichen Männern gemacht. Diese standen uns ausnahmslos positiv und offen gegenüber. Aus dieser Offenheit resultieren zwei fokussierte Interviews mit jungen Männern. Ein weiteres Interview dieser Art erhielten wir von einer Frau, die Anfang dreißig war.

Allgemein haben wir festgestellt, dass auch die Kirchentagsbesucher mit einer längeren Anfahrt nicht abgeneigt waren, auf unsere Interviews einzugehen. So war es für uns erstaunlich leicht, Freiwillige für das fokussierte Interview zu finden.
Die Befragungsumstände waren zu Beginn unserer Feldforschung noch sehr gut, weil der Eingang der Bürgerweide am anderen Ende zur Bühne lag, und so die Musikproben für den Eröffnungsgottesdienst noch nicht so laut waren. Zudem war die Bürgerweide, bis auf wenige hundert Leute noch relativ leer. Je näher wir jedoch der Bühne kamen, umso lauter wurde die Musik. Wir haben dann sehr schnell gemerkt, dass wir uns von den Lautsprechern, die überall auf der Bürgerweide standen, entfernt halten mussten, was aber sehr schwer war. Als wir dann beschlossen, erneut weiter hinten zu arbeiten, war der Strom der Menschen schon in Bewegung gekommen und tausende Besucher strebten Richtung Bühne. Da die Besucher alle einen guten Platz erhofften, wollten viele nur ungern in ihrer Bewegung aufgehalten und befragt werden. Glücklicherweise hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon den Großteil unserer Befragungsarbeit beendet. Ein weiterer glücklicher Umstand war, dass unser Diktiergerät trotzdem alles genau aufgezeichnet hat, auch wenn es Störgeräusche gab.
Pünktlich zum Beginn des Gottesdienstes konnten wir unsere Befragungen einstellen. Eine weitere Forschungstätigkeit wäre zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr möglich gewesen, da die äußeren Umstände dies verhindert hätten. So war das Zeitmanagement durch die anfängliche Verzögerung doch nicht so durcheinander gekommen, wie wir befürchtet hatten. Auch sind wir der Meinung, durch die Fragebögen eine gute Allgemeintendenz der Besucher und deren Motivationen zu erhalten. In unserem nächsten Arbeitsschritt möchten wir das gesammelte Material auswerten und vorstellen.

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