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Online – Religion – online. Die Suche nach religiöser Bedeutsamkeit im world wide web

21.05.2009

medienethnologievon Constantin Künzl

Jeder Fortschritt in der Entwicklung von Massenmedien hat bisher einen großen Einfluss auf Religion und religiöse Praxis gehabt. Die Erfindung des Buchdrucks machte religiöse Schriften leichter erhältlich. Das Aufkommen von Fernsehpredigern (televangelism) wurde mit ebenso großem Interesse – und teilweise auch großer Sorge – aufgenommen wie das Aufkommen der online-Medien und ihrem Einfluss auf Religion und Religionen. Es ist nicht abzustreiten, dass die online-Medien von Beginn an für religiöse Inhalte genutzt wurden. Diskussionsforen zu religiösen Themen waren sozusagen von der Stunde Null an dabei. Seitdem hat sich das Angebot um ein vielfaches erweitert und wächst mit dem world wide web. Tatsächlich entwickelt sich nicht nur das Angebot an religiösen Inhalten, sondern auch die Art, wie sie vermittelt werden und auf welche Bedürfnisse sie antworten. Religion im Internet, oder im world wide web, um es präzise zu sagen, ist nur an wenige Vorgaben gebunden und existiert in unzähligen Ausprägungen, abhängig zum Beispiel von den Absichten der Betreiber religiöser Websites, dem Bezug zu offline-Religionen und deren Gemeinschaften oder vom Charakter der religiösen Inhalte, die vermittelt werden. So schnell sich das world wide web verändert, so schnell entwickelt sich auch die Art, in der religiöse Inhalte angeboten werden, und die Bedeutung, die Nutzer diesen Inhalten zuschreiben. Zum Thema des „meaning making“, das ich im Folgenden als Bedeutungsschaffung übersetzen werde, schrieben Stewart Hoover und Park Jin Kyu 2002 einen Artikel, übertitelt „The Anthropology of Religious Meaning Making in the Digital Age”. In ihrem Artikel widmeten sie sich der Frage, wie digitale Medien und online-Kommunikation Religion veränderten und immer noch verändern. Sie gingen dabei vor allem auf Christopher Hellands Unterteilung in “Religion online” und “online-Religion” aus dem Jahr 2000 ein und machten sie zum Ausgangspunkt ihrer Argumentation. Allerdings revidierte Helland diese Unterteilung einige Jahre später und schlug eine neue, differenziertere Unterteilung der unterschiedlichen Arten religiöser Gemeinschaften und Angebote im world wide web vor.

Hoover, Park und Helland

Dieser Essay greift sowohl Hoover und Parks Artikel zur religiösen Bedeutungsschaffung online auf, als auch Hellands Versuche einer Unterteilung in verschiedene Arten von religiösen Gemeinschaften und Angeboten. Zuletzt, um den Veränderungen, die sich seit Hellands letztem Artikel im world wide web eingestellt haben Rechnung zu tragen, habe ich mich selber auf den Websites unterschiedlicher religiöser Gemeinschaften umgesehen. Dabei habe ich zum einen versucht, Hellands Schema von “Religion online” und “online-Religion” wie auch seine neuen, differenzierteren Ansätze anzuwenden. Des Weiteren habe ich versucht, anhand des Artikels von Hoover und Park die Auswirkungen von online-Medien und online-Kommunikation auf den modus der religiösen Bedeutungsfindung nachzuvollziehen. Dazu habe ich mich selber im world wide web umgesehen und versucht, Hellands Modell anzuwenden. Eine detaillierte Feldforschung würde den Rahmen dieses Essays sprengen, weshalb ich es leider bei einer oberflächlichen Beobachtung belassen muss.

Hoover und Park sammeln in ihrem Artikel verschiedene Ansätze zur Erforschung religiöser Inhalte im world wide web. Wie oben erwähnt, ist Christopher Hellands Unterteilung in „Religion online“ und „online-Religion“ von großer Bedeutung für ihre Argumentation.

Religion online, so Helland, ist die bewusste Nutzung der online-Medien durch religiöse Gemeinschaften, Bewegungen (oder Individuen), beispielsweise zur Öffentlichkeitsarbeit oder zur Missionierung.

Die Website einer Kirche, mailing-lists oder newsletter, alle Arten von online-Medien, die Erweiterung einer offline-Gemeinschaft sind, zählen laut Helland als „Religion online“. Das Internet wird hier nur als Informationslieferant gebraucht. Die Möglichkeit der „many to many communication“ wird meist nicht genutzt, da religiöse Inhalte nach dem traditionellen Schema vermittelt werden – von einer religiösen Autorität, zum Beispiel einem Priester, an die Empfänger, also die Gläubigen. Online-Religion dagegen ist die Nutzung der online-Medien für religiöse Zwecke, welcher Art auch immer. So fein dieser Unterschied auf den ersten Blick auch sein mag, er beschreibt eine vollkommen andere Art religiöser Praxis und religiösen Selbstverständnisses.

Online-Religion greift auf die Möglichkeit der „many to many communication“ zurück, es gibt keine Priesterschaft im herkömmlichen Sinne. Das wichtigste Merkmal ist allerdings, dass diese Religion sich in ihrer Ausübung auf die online-Medien beschränkt. Es gibt keine offline-Organisation, die hinter dem religiösen Angebot steht, und der man beitritt, wenn man sich für bestimmte religiöse Inhalte entscheidet.

Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie auch den großen Unterschied zwischen traditionellen Formen religiöser Praxis und der Art beschreibt, wie man online-Medien für religiöse Zwecke nutzen kann.

„Die Suche“ als religiöse Praxis

Hoover und Park gehen weiterhin davon aus, dass bei beiden religiösen Phänomenen die Suche die vorherrschende Art vorzugehen sei. Hierbei berufen sie sich auf W. C. Roof, der die Suche als eine Art religiöser Praxis beschreibt. Die Suche, so Roof, dient der Erschließung religiöser Inhalte und dient damit wieder der Bildung einer religiösen Identität. Indem man religiöse Inhalte für sich nutzt (indem man sie liest und versucht, sie zu verinnerlichen) formt man seine religiöse Identität. Diese Sicht der Dinge stimmt mit dem überein, was Warner schon 1992 als Gegenstand der „New paradigm religious studies“ beschrieb.

Die Zukunft der Religionswissenschaft, so Warner, liegt nicht im Erforschen von Symbolen und Doktrinen, sondern im Erforschen der Handlungen, die Individuen ausführen, um sich religiöse Bedeutungen zuzuschreiben.

Das heißt, dass es nicht mehr darum geht, ob man die Feinheiten einer religiösen Lehre in sich aufnimmt, sondern darum, was man tut – und wie. Kurz, das Projekt der Schaffung des Selbst und einer religiösen Identität löst die Einfügung in ein System aus Werten und Glaubensvorstellungen ab. Das Internet bietet dazu die Möglichkeit, ist es doch laut Hoover und Russo ein „symbolic inventory“, ein Menu, aus dem man sich auswählen kann, was man möchte. Die Möglichkeiten, religiöse Inhalte für sich auszuwählen, sind schier unbegrenzt und kaum einer Kontrolle unterworfen.

new_age_marktplatz

Doch kehren wir zurück zur Suche. Schon vor dem Internet war die Suche ein wichtiger Bestandteil religiöser Praxis. Im Zeitalter der online-Medien hat die Suche sogar noch an Bedeutung gewonnen, da ein schier unbegrenztes Angebot zur Verfügung steht. Tatsächlich richten viele Betreiber religiöser Websites ihr Angebot an Suchenden aus. Die New-Age Bewegung und alles, was heute mit ihr assoziiert wird, sind laut Hoover und Park ein gutes Beispiel. Im Rahmen von New-Age bezogenen Websites werden Ratschläge zur Verbesserung der eigenen Lebensqualität gegeben, und der Suchende erhält die Möglichkeit, sich mit religiösen Inhalten zu versorgen und die eigene religiöse Identität ganz nach Wunsch zu formen. Abgesehen von der New-Age Bewegung gibt es natürlich noch andere Anbieter, und das Besondere ist, dass man nicht gezwungen ist, alle Inhalte für sich zu übernehmen. Das „symbolic inventory“ erlaubt es den Suchenden, sich nach Belieben zu bedienen und zu kombinieren, sei es Zen-Buddhismus mit dem Christentum oder Daoismus mit Wicca-Ritualen. Nicht einmal in der Beziehung zwischen den Absichten der Betreiber der Websites und der tatsächlichen Nutzung der religiösen Inhalte muss ein Bezug bestehen. Man hat die Freiheit, alle Inhalte neu zu interpretieren und an seine persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Das stellt natürlich ein Problem für die Forschung dar, da plötzlich statt allgemein gültiger Symbole und Doktrinen eine Vielzahl subjektiver Sichtpunkte zum Forschungsgegenstand wird. In früheren Zeiten waren schon religiöse Symbole regional und in unterschiedlichen kulturellen Kontexten umgedeutet worden. Doch es gab in den meisten Fällen eine gewisse Kohärenz, was die Interpretation religiöser Inhalte innerhalb einer bestimmten religiösen Gruppierung anging. Das bedeutet, dass religiöse Symbole und Inhalte zwar mit der Zeit neu interpretiert wurden – und werden – aber eine gewisse Einmütigkeit herrschte. Dazu kommt noch der Unterschied, dass „online-Religion“ ohne die Anleitung und Autorität einer Priesterschaft auskommt, und dass jeder für sich selber zu einem religiösen Spezialisten wird, da es ja um die Befriedigung individueller religiöser Bedürfnisse geht. Man muss, so Hoover und Park, diese neue subjektive Sicht der Suchenden zum Ausgangspunkt der neuen Religionsforschung machen.

Hoover und Park schließen ihren Artikel mit einer Reihe an Feldforschungen ab, in denen sie das Verhalten einer Reihe an Versuchspersonen untersuchen. Sämtliche Personen wohnten zum Zeitpunkt der Befragung in etwa in derselben Gegend und entstammen einem ähnlichen sozialen Umfeld. Sie alle hatten zu diesem Zeitpunkt regelmäßigen Zugang zum Internet und nutzten sie auch zu religiösen Zwecken. Hoover und Park geben in ihrem Artikel zu, dass die angeführten Ergebnisse nicht stellvertretend für das Ergebnis der gesamten Feldforschung seien, sondern nur die verschiedenen Art religiöser Praxis repräsentieren sollten. Die Feldforschung ergab, dass online-Medien und religiöse Inhalte auf vielerlei Arten interagieren, und dass die Suche vorherrschender modus sei. Allerdings fielen mir bei der Auswertung von Hoover und Parks Artikel auf, dass sie davon ausgehen, dass die Suche nach religiösen Inhalten im world wide web stets bewusst abläuft, und dass keine impliziten religiösen Inhalte vorhanden sind. Darauf möchte ich später noch einmal zurückkommen.

Religion online – Online Religion (reloaded)

Hoover und Park gehen in ihrem Artikel nicht auf die revidierte Version von Hellands Unterteilung ein, da diese erst 2005 veröffentlicht wurde. In diesem Artikel versucht Helland, den raschen Veränderungen von Internet und Religion gerecht zu werden. Eine der größten Schwierigkeiten dabei, so seine einleitenden Worte, ist mit der schnellen Entwicklung Schritt zu halten. Helland bezieht sich in seinem Artikel besonders auf die Kritik von Glenn Young. Während Helland in seinem ersten Artikel „Religion online“ und „online-Religion“ als zwei getrennte Begriffe behandelt, siedelt Young beide als Extreme auf einer Achse an. Während bei Helland eine klare Untertilung vorlag, sind laut Young bestimmte Websites, Gemeinschaften und religiöse Inhalte näher an „online-Religion“ als andere. Young zufolge sind beide Bgriffe keine voneinander getrennten Sphären. Vielmehr weist jedes religiöse Phänomen im world wide web Charakteristika von beiden auf. Ausschlaggebend dafür die Sicht der Betreiber von Websites auf Religion und auf das Internet als Medium. Religiöse Gemeinschaften, die offline über eine feste Hierarchie verfügen, nutzen das Internet eher als Informationsmedium, in dem die religiösen Inhalte von Spezialisten an die Gläubigen vermittelt werden. Solche religiösen Inhalt bewgen sich auf Youngs Achse näher an „Religion online“, da wenig bis gar kein freier Diskurs stattfindet. Gemeinschaften, die diesen freien religiösen Diskurs zulassen und offline nicht organisiert sind, finden sich näher an „online-Religion“. Eine große Rolle spielt allerdings auch hier die Absicht des Einzelnen.

Denn, ausgehend von Warners Forderung nach einem neuen Paradigma der Religionsforschung, bestimmt die subjektive Sicht des Individuums den religiösen Gehalt, die Bedeutung der Handlungen.

Diese Grauzone erschwert Studien erheblich, da es im Grunde nicht möglich ist, die Authentizität religiöser Handlungen zu bestimmen. Ein Gebet in einer Kirche mag auf den ersten Blick absolut authentisch erscheinen, aber es ligt an der Einstellung des Betenden, ob es auch wirklich eine religiöse Handlung ist. Mit dem Abrufen religiöser Inhalte oder der Teilnahme an Ritualen in religiösen Gemeinschaften im Internet verhält es sich genauso. Meiner Meinung nach ist es sogar noch schwerer, die Authentizität einer religiösen Handlung online zu bestimmen, da sich vor dem Computer Dinge meist viel spontaner und mit weniger Aufwand erledigen lassen. Sich online die Absolution geben zu lassen wäre beispielsweise mit weniger Aufwand und größerer Anonymität verbunden als der Besuch eines Beichtstuhls samt Pfarrer. Und dies legt nahe, dass es viele gibt, die diese einfache Art der religiösen Teilnahme vom heimischen Schreibtisch aus als nicht authentisch ansehen würden. Die Ergebnisse aus Hellands Artikel von 2005 knüpfen an Hoover und Parks Artikel und die Beschreibung einer neuen Form von religionsbezogenen Studien an, die sich auf das Erlangen von religiöser Bedeutung durch Suchende anstatt auf die Zuschreibung religiöser Bedeutsamkeit auf Symbole und ähnliches bezieht.

Kleine Praxisübung

Ich begab mich auf meine eigene Suche – vom heimischen Computer aus – und folgte den Pfaden von google zu Websites religiöser Anbieter, um die Inhalte mit Hellands und Youngs Einteilungen zu vergleichen. Mein Grundgedanke war, dass die Veränderungen, die das Internet seit Hellands letztem Artikel durchlaufen hat, Auswirkungen auf das religiöse Angebot gehabt haben, und dass damit wieder Lücken in der Klassifizierung religiöser Inhalte klaffen würden. Ich begab mich also auf eine kurze virtuelle Reise und sammelte Eindrücke religiöser Websites. Es würde leider den Rahmn diess Essays sprengen, einzelne Websites im Detail zu beschreiben und mit Hellands Schemata zu vergleichen. Stattdessen habe ich versucht, Schwachpunkte an eben jenen Schemata von „online-Religion“ und „Religion online“ aufzuzeigen.

Mir fiel bei meiner Suche zum Beispiel auf, dass sowohl Hoover und Park als auch Helland eine wichtige Form religiöser Praxis im world wide web außer Acht gelassen haben – den kommerziellen Vertrieb von religiösen Schriften, Hilfsmitteln und anderen Gegenständen.

Die erwähnte Suche muss nicht nur religiöse Inhalte zum Ziel haben. Es kann auch um materielle Güter gehen, um Ritualzutaten, Kerzen, Devotionalien aller Art. Der Handel mit religiösen Gütern war und ist eng mit Religion verbunden, und das world wide web hebt die Möglichkeiten auf eine neue, globale Ebene. Man kann sich die Gegenstände seines religiösen Interesses aus der gesamten Welt bestellen, wieder mit nur wenigen Einschränkungen. Tatsächlich ist es nur nachvollziehbar, dass Betreiber religiöser Websites den Handel mit religiösen Gütern für sich erschließen. Der Begriff Handel mag profan klingen, aber der Erwerb religiöser Güter, seien es Marienstatuen oder Sutren, trägt genauso zur Ausformung einer spirituellen Identität bei wie die religiösen Inhalte, mit denen sie befrachtet sind.

esoterikshop

Der Handel mit religiösen Gegenständen bricht Hellands alte Definitionen von „online-Religion“ und „Religion online“ auf. Er lässt sich meiner Meinung nach auch nicht in die Schemata einfügen, die er aufgrund der Kritik von Young und anderen entwickelte. Der Grund dafür mag sein, dass sich Handel nicht in jedem religiösen Kontext mit religiöser Praxis vereinbaren lässt. Während der Kauf eines Lehrbuches zu Meditationsübungen durchaus nicht als religiöse Praxis zu sehen ist – eher als vorbereitende Handlung – ist der Kauf eines Glücksbringers an einem japanischen shintô-Schrein oder einer Weihegabe an einem christlichen Wallfahrtsort durchaus so zu sehen, da ein religiöser Effekt erzielt wird, beispielsweise die Erwirkung göttlichen Segens. Dazu kommt noch, dass der Handel mit religiösen Devotionalien nicht zwingend mit den online-Medien verbunden sein muss und meiner Meinung nach auch nicht qualitativ durch sie verändert wurde. Einzig die Möglichkeiten zum Kauf von religiösen Gegenständen wurden erweitert, man kann sich nun nicht nur aus dem „symbolic inventory“, sondern auch aus dem Versandhauskatalog des world wide web bedienen. Hier tut sich die Frage auf, ob diese Form des online-Handels wirklich religiöse Handlungen bewirkt.

Die Ähnlichkeiten zwischen online-Katalogen und herkömmlichen Katalogen und die Tatsache, dass der Handel mit religiösen Gegenständen schon vor dem Aufkommen der online-Medien gebräuchlich war, wirft die Frage auf, ob es überhaupt Sinn ergibt, sich näher damit zu befassen. Aber hier bietet sich mir die Möglichkeit, wieder an Hoover und Parks These von der bewussten Suche anzuknüpfen und sie auf die Vermittlung von religiösen Inhalten durch kommerzielle Websites anzuwenden. Wie oben erwähnt, ist der Erwerb von religiösen Gütern vergleichbar mit dem beschriebenen Aufnehmen religiöser Inhalte. Die Gestaltung von Websites als Katalog kommt dabei jenen entgegen, die bewusst nach bestimmten Artikeln suchen und scheint damit Hoover und Parks These zu bestätigen, dass die Suche nach religiösen Inhalten stets bewussst abläuft. Leider tut sich auch hier eine Grauzone auf, da der Handel mit religiös befrachteten Gütern nur eine Form der Vermittlung religiöser Inhalte über das Internet darstellt. Dennoch scheint Hoover und Parks These wie geschaffen für den online-Handel, hat ihre Beschreibung von der bewussten Suche nach religiösen Inhalten doch etwas von einem Supermarkt.

Fazit

Die von Helland erwähnte Schlüsselfrage, welche Handlung als authentisch religiös anzusehen sei, ist nur eines von mehreren losen Enden, die es zu verknüpfen gilt. Die schon erwähnten Grauzonen sind allgegenwärtig. Eine Möglichkeit, etwas Licht ins Dunkel zu bringen, wäre eine Erforschung der individuellen Absichten, die hinter dem Kauf von religiös befrachteten Gütern bei online-Händlern stehen. Aber auch dies würde den Rahmen dieses Essays übersteigen. So sind am Ende eigentlich alle Fragen offen. Die Tatsache, dass individuelle Absichten aussschlaggebend für die Authentizität religiöser Handlungen in der online-Umgebung sind, bringt so viele Probleme mit sich, wie sie Forschungsansätze eröffnet. Welche Absichten die jeweiligen online-Händler verfolgen, welche Bedeutung die einzelnen Kunden der Ware zuschreiben, ob der Händler Verbindung zu einer religiösen Gemeinschaft offline hat, all das ist Teil der großen Frage, ob der Vertrieb von Ritualzutaten, religiösn Symbolen und ähnlichem Teil des großen Phänomens „Online-Religion“ ist, und wo es einzuordnen ist. Die Frage bleibt offen, da die Möglichkeiten der religiösen Teilnahme im world wide web mannigfaltig sind. Sogar in Umgebungen, die im Grunde nichts mit Religion zu tun haben, können Benutzer religiöse Inhalte ausdiskutieren und sogar religiöse Praktiken ausführen, zum Beispiel in Chaträumen oder Foren. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Forschung von Anfang an zum Scheitern verdammt ist. Um wieder auf Warners neues Paradigma der Religionsforschung anzuspielen wird es in Zukunft wohl nicht darauf ankommen, online-Inhalt religiöse Bedeutung zuzuschreiben, sondern Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Individuen aus sich heraus religiöse Bedeutsamkeit in der online-Umgebung erlangen können.

Verwendete Literatur:

Helland, Christopher: „Online-Religion/Religion-Online and Virtual Communitas“, in: Hadden, J., Cowan, D, (Hg.), 2000: Religion on the Internet. Research Prospects and Promises (Religion and the Social Order 8). London: JAI Press / Elsevier Science, 205-223

Helland, Chr. (2005): Online Religion as Lived Religion. Methodological Issues in the Study of Religious Participation on the Internet, in: Online – Heidelberg Journal of Religions on the Internet, 1(1), 1-16.

Hoover, Stewart M. & Park, Jin Kyu: „The Anthropology of Religious Meaning Making in the Digital Age“, in: Rothenbuhler, Eric W. & Coman Mihai (Hg.), 2005: Media Anthropology. Sage Publications: Thousand Oaks, London, Neu Delhi

Hoover, Stewart M. & Russo, A. M., Juli 2002: Understanding modes of engagement in research on media and meaning-making. präsentiert auf der Konferenz der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung von Massenmedien (International Association for Mass Media Research) in Barcelona

Roof, W. C., 1999: Spiritual marketplace: Baby boomers and the re-making of American religion. Princeton, New Jersey: Princeton University Press

Warner, R. S., 1992: “Work in progress toward a new paradigm for the study of religion in the United States”, in: American Journal of Sociology, 98 (5), S. 1044-1093

Young, Glenn, 2004: “Reading and Praying Online: The Continuity of Religion Online and Online Religion in Internet Christianity.” in: Dawson, Lorne & Cowan, Douglas (Hg.): Religion Online: Finding Faith on the Internet. New York: Routledge, S. 93-106

  1. 14.11.2012 um 6:31

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