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„Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das Ferkel“ – Atheistische Früherziehung im Rahmen des Heidenspaß-Festivals

21.05.2009

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von Jörn Brunke und Sina Marie Gogolok

In unserer Forschungsarbeit anlässlich des 32. evangelischen Kirchentags in Bremen wollen wir unseren Schwerpunkt auf eine Gegenveranstaltung, das „Heidenspaß-Festival“, legen, das am 25. Mai im Schlachthof stattfindet. Das „Heidenspaß-Festival“ wurde von der Bremer Atheisten- und Freidenker-Union (BAFU) organisiert. Die BAFU trat bereits im vergangenen Jahr in Erscheinung, als sie Gegenveranstaltungen zum sogenannten „Christival“ organisierte, das durch eine unklare Haltung zu Homosexualität und Gleichberechtigung bundesweit in die Schlagzeilen geraten war.

Wir werden dort die „Kinder-Party“ besuchen sowie im Anschluss daran die Lesung des religionskritischen Kinderbuches „Wo bitte geht´s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“. Diese wird auch Gegenstand unserer Forschung sein. Das „Ferkelbuch“, im Oktober 2007 im Alibri Verlag erschienen, wurde von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke, der auch die Lesung in Bremen halten wird, verfasst und illustriert. Es ist als erstes religionskritisches Kinderbuch auf den deutschen Markt gekommen und sorgte sogleich für Furore. Das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sprach sich eindeutig für eine Indizierung im Sinne des Jugendschutzgesetzes aus, was bei vielen Befürwortern des Buches als Interessenpolitik und Eingriff in die Meinungsfreiheit kritisiert wurde. Es wäre das erste Kinderbuch überhaupt gewesen, das in Deutschland indiziert worden wäre. Hierbei möchten wir gerne auf die Seite www.ferkelbuch.de verweisen, wo sich die Entwicklung des Buches in Öffentlichkeit, Presse und Politik abzeichnet und nachvollziehen lässt.

Unsere Fragestellung, die die Rezeption der Lesung durch die Anwesenden zum Thema hat, wollen wir anhand von fokussierten Interviews und einer audio-visuellen Dokumentation bearbeiten. Fokussierte Interviews bieten sich im Hinblick auf unseren Untersuchungsgegenstand an, da wir die Hoffnung haben, spontane Stellungnahmen zur Lesung bzw. zum Buch selbst zu erhalten, von dem wir bei den Interviews ein Ansichtsexemplar mit uns führen wollen, das Frau Gogolok hierfür erworben hat. Da es sich zudem bei den potentiellen Interviewpartnern u.a. um Kinder handelt, ist die Form des recht flexiblen und auf spontane Reaktionen anspielende Interview sicherlich die einfachste Form, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Desweiteren ist es unwahrscheinlich, dass die Interviewsituation komplexere Gesprächsformen zulässt. Die Fragen sollen sich grob in drei Themen gliedern: Das Buch selbst, die Veranstaltung und das Thema Glaube/Unglaube in der Familie. Bei den Kindern wird zu beachten sein, die Fragen einfach genug zu halten, keine Antworten zu suggerieren oder unbeabsichtigt eine „Testsituation“ zu erzeugen.

Die audio-visuelle Dokumentation wird sich, sofern es die Interviewpartner zulassen, auf einen Filmbeitrag beschränken. Zusätzlich verwenden wir, wenn nötig, auch ein Tonbandgerät, um eine Alternative zur Kamera anzubieten, falls einige Eltern sich und ihre Kindern nicht filmen lassen möchten. Um ihnen mögliche Befürchtungen zu nehmen, besteht wahrscheinlich die Möglichkeit, dass wir uns kurz auf der Bühne dem Publikum vorstellen. So weiß jeder, dass die Interviews und Aufnahmen ausschließlich für Forschungszwecke im Rahmen unseres Seminars verwendet werden. Desweiteren werden wir Datenschutzerklärungen und Einwilligungen mit uns führen und verteilen. Eine Kamera und ein Tonbandgerät wurden bereits organisiert. In die Software für die Bearbeitung werden wir uns noch einarbeiten.

Ferkel_Wanne

Was uns den Einstieg in diese Forschung sicherlich erleichtern wird, ist die Tatsache, dass bereits Kontakte zu dem Organisator, Andreas Beyer, geknüpft wurden und dieser sich ebenfalls für ein Interview zur Verfügung stellen würde. Was uns jedoch Einstiegsprobleme bereiten könnte, ist unsere Unerfahrenheit in Bezug auf Interviews mit Kindern und die Unwägbarkeiten der örtlichen Begebenheiten, die, wenn möglich, noch vor der Veranstaltung in Augenschein genommen werden sollten.

Wir erhoffen uns von unserem Projekt einerseits Erkenntnisse über das atheistische Milieu, welches sich seit einigen Jahren verstärkt politisch organisiert. Andererseits erhoffen wir uns eine Antwort auf die Frage ob bzw. wie das „Ferkelbuch“, das ja Teil atheistischer Erziehungsbestrebungen sein kann, von den Kindern selbst aufgenommen wird, die in der vorangegangenen Debatte kaum eine Rolle spielten. Darüber hinaus wurden wir gewarnt, wie aufwendig und anstrengend es sei, Kinder zu interviewen, was unseren Ehrgeiz erst recht weckte, diese Forschung zu betreiben.

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