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Feldforschung auf dem Heidenspaß-Festival

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von  Lena Schad, Sandra Ahnen und Ahmed Al-Rashed

Zum 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2009, der vom 20. bis zum 24. Mai in Bremen stattfinden wird, werden etwa einhunderttausend Besucher erwartet.

Doch freut sich wirklich die ganze Stadt so sehr auf den Kirchentag, wie man überall liest?

Nicht-Teilnahme am Kirchentag hat eine Vielzahl von Gesichtern und vom bloßen Fernbleiben der Veranstaltungen übers fluchtartige Verlassen der Stadt bis hin zu organisiertem Protest ist alles dabei. Wir möchten als spezielle Form der Nicht-Teilnehmer diejenigen untersuchen, die deutlichen Protest gegenüber dem Kirchentag artikulieren und ihre in vielen Punkten geäußerte Ablehnung in Form des „Heidenspaß-Festivals“, welches am 23. Mai stattfinden wird, öffentlich machen. Bei einer ganztägigen Feldforschung möchten wir versuchen ein möglichst detailreiches Stimmungsbild einzufangen und herauszufinden welches Klientel das Festival besuchen, wodurch der Festivalbesuch motiviert ist und wie die Sicht der Teilnehmer auf den Bremer Kirchentag ist. Unseren Untersuchungsgegenstand haben wir unter Anderem wegen des interessanten Bildmaterials in Form von Plakaten und Webcontent und der geografischen Nähe des organisierten Protests zu Kirchentagsveranstaltungen gewählt. Beide Veranstaltungen finden nämlich zur selben Zeit unmittelbar nebeneinander statt.

Das Heidenspaß Festival – eine „Alternative“ zum DEKT ?


Unser Untersuchungsgegenstand, „Das Heidenspass Festival“, wird vom Bremer Atheisten- und Freidenkerverbund (kurz BAFU) organisiert. Die Veranstalter laden auf ihrer Homepage alle Atheisten ein, dem Kirchentag Kontra zu geben. Zweck des Vereins ist die Förderung der allgemeinen Menschenrechte, besonders die Förderung der freien Weltanschauung. Außerdem sind sie für eine klare Trennung von Staat und Kirche. Das Festival richtet sich gegen Missionierungsversuche und kritisiert stark die Finanzierung des Kirchentages. Rund die Hälfte der Kosten sollen nämlich von Steuergeldern bezahlt werden, die auch von Muslimen, Juden und Buddhisten eingezahlt werden. Für den Verbund ist es ein klarer Missbrauch Steuergelder für ein konfessionelles Event zu nutzen:

Muslim, Jude, Atheist, Konfessionsloser… jeder bezahlt mit seinen Steuerngelderndiese Milliardensubventionen mit. Zusätzlich zu diesen Unsummen erhalten die Kirchen jedes Jahr noch ca. 9 Milliarden Euro an Kirchensteuern, die der Staat für sie einzieht. Und noch einmal erhält die Kirche, dieses milliardenschwere Kalb, über 10 Milliarden Euro jährlich für die kirchlichen Sozialeinrichtungen, die der Staat zu weit über 90 Prozent finanziert. Das Geld für die Kirche stammt also zu einem großen Teil vom Staat, d.h. von allen Bürgern.

Das Programm des Festivals sieht folgendermaßen aus: ab 14 Uhr gibt es eine Kinderparty, die von der Vorstellung des Ferkelbuches, einem atheistischen Kinderbuches, gefolgt wird. Anschließend soll ein kritischer Vortrag zum Thema Kirchenfinanzierung gehalten werden. Am Abend soll es eine Party mit mehreren Bands geben. Das Festival soll nach eigenen Angaben mit einer „gottlosen Disco“ enden. Punk-Bands wie Extrabreit, Sixxxten, Dogs on Catwalk und weitere provozieren mit „rotzig-subversiven Texten“. Allerdings sind die Auftritte in bekannten TV Formaten im Gegensatz zu der Selbstdarstellung im Internet oder auf den Plakaten weniger provokativ und eher mit sachlichen Argumenten untermauert. (Vgl. zum Beispiel die Sendung zur gottlosen Buskampagne auf Extra3: Gottlose Kampagne).



Die Methoden und die theoretische Umsetzung

Als teilnehmende Beobachter versuchen wir die Atmosphäre und die Stimmung des Festivals zu erfassen. Auch wird beobachtet inwiefern die Atomsphäre alleine durch die Besucher, also von unten heraus, oder von den Organisatoren, also von oben herab, gelenkt oder vorgegeben wird.
Durch kurze Interviews mit den Besuchern des Festivals, in denen wenige Fragen möglichst authentische und freie Antworten erzielen sollen, werden dir durch die Beobachtungen erfassten Daten erweitert. Die Interviews werden reine Sprachaufzeichnungen sein. Diese Methode scheint besser als die der Fragebögen, da ein Interview zumal interessanter für die Befragten ist und durch die wenigen Fragen einfach weniger Zeit in Anspruch nimmt. Dieser Punkt kommt vor allem den Befragten zugute. Wir werden ca. fünf Fragen an die Befragten stellen. Die Interviews sollen nicht mehr als zehn Minuten dauern.

Um die Dimensionen der einzelnen Veranstaltungen genauer aufzuzeigen, werden Fotos von den Veranstaltungen an sich gemacht. Dabei versuchen wir, möglichst neutral zu dokumentieren. Auch versuchen wir, die jeweiligen Interviewpartner zu fotografieren, um so das Erscheinungsbild der Teilnehmer mit der Aussage der Teilnehmer zu verbinden, sodass ein möglichst komplettes Bild der einzelnen Szenen wiedergegeben werden kann.

Es ist unbedingt erforderlich, die rechtliche Lage zu berücksichtigen. Die Interviewpartner müssen über die weitere Verwendung ihrer Aussagen und Ihrer Fotos informiert werden. Wir werden diese Information als Teil des Interviews gestalten, sodass die Interviewten nicht von einem Informationsblatt, welches sie gegebenenfalls auch Unterschreiben müssten, abgeschreckt werden. Die Genehmigung überhaupt eine Feldforschung innerhalb einer Veranstaltung durchzuführen, muss vom Veranstalter erteilt sein. In unserem speziellen Fall ist die Genehmigung durch eine telefonische Absprache erfolgt.

Quellen:
http://www.bafu-bremen.org/heidenspass-festival-waehrend-des-kirchentags-2009-in-bremen
http://www.myspace.com/bremenatheist

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