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The Internet is the Trailer Park for the Soul. Seminarnachlese (Heidelberg).

05.04.2009

von Simone Heidbrink

Im Wintersemester 2008/09 starteten wir ein Experiment. Wir, das waren Kerstin Radde-Antweiler, mittlerweile an der Uni Bremen und ich, beide aus dem „Dunstkreis“ der religionswissenschaftlichen Internetforschung:

Wie würde es sein, ein Seminar zum Thema „Social Media“ und Religionswissenschaft zu veranstalten und diese Plattform dann eben auch zur Veröffentlichung und zum (wissenschaftlichen) Austausch zu nutzen?

Also nicht nur „Trockenschwimmen“, nicht nur Theorie (wie es in unserem Fach doch oft praktiziert wird) und Darüber-Reden, sondern hinein in die Praxis!

Zu diesem Zweck gründeten wir diesen Weblog. Und damit das mit dem Austausch auch wirklich klappt (denn wer kommentiert schon Beiträge des Kommillitonen, der im Seminar direkt nebenan sitzt?), wurde das Seminar gleichzeitig an beiden Universitäten, also in Bremen und in Heidelberg, angeboten. So weit so gut.

Natürlich unterschieden sich die beiden Seminare voneinander. Teilweise in der Konzeption, teilweise auch (jedoch nur geringfügig) in den Texten und thematischen Schwerpunkten, die besprochen wurden. Ich werde im Folgenden aus meiner Perspektive der Dozentin aus Heidelberg berichten, wie das Seminar dort ganz allgemein so „lief“.

Begonnen hat es mit einem herben Rückschlag, denn das Seminar war eigentlich als Praxisübung konzipiert. Das heisst die Studierenden sollten, nach einem kurzen Input von mir sowie gegebenenfalls einem Referat am Rechner kurze praktische Aufgaben erfüllen, um das religionswissenschaftliche Arbeiten mit Social Media-Applikationen direkt praktisch einzuüben. Trotz aller Versprechungen waren jedoch die neuen Computerräume, die als Unterrichtsort vorgesehen waren, nicht rechtzeitig fertig und auch nach der Fertigstellung im neuen Jahr klemmte es an allen Ecken und Enden. Somit musste die Idee der Praxis dann leider doch wieder zugunsten der Theorie aufgegeben werden, was ich sehr schade fand. – Und vermutlich auch den Studierenden, die zu Recht etwas völlig anderes erwartet haben dürften, nicht gefallen haben. Wie dem auch sei: Wir alle haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen und haben das Seminar kurzfristig thematisch umgestaltet. Es wurden mehr Texte gelesen und diskutiert (wobei oft sehr gute Diskussionen auf hohem Niveau geführt wurden und viele Studierende mit beeindruckenden Fachkenntnissen und einem hohen Reflexionsnvieau aufwarten konnten). Praxisübungen wurden trotzdem durchgeführt, jedoch wenn, dann meist aus Hausaufgabe oder als gemeinschaftliches Seminarprojekt im Plenum.

Was (nach einer etwas „holperigen“ Anfangsphase) überraschend gut lief, waren die Essays! (Überraschend deshalb, weil Essays – vor allen Dingen Essays zur Veröffentlichung in einem Weblog – eigentlich nicht zu den üblichsten schriftlichen Leistungsnachweisen an einer Universität gehören.) Auch dass einige spannende Diskussionen sowohl mit Bremer Studierenden, jedoch auch darüber hinaus zustande kamen, hat mich positiv überrascht und überzeugt, dass ein solches Essay-und-Blog-Projekt in einem universitären Seminarkontext ein sinnvolles Instrument zum Austausch auch über den akademischen Tellerrand hinaus darstellt! Nicht zuletzt deshalb wird der Blog in diesem Semester weitergeführt werden!

Größtes Manko im Bereich der Seminarvorbereitung stellte die Tatsache da, dass die Internetforschung in kulturwissenschaftlichen Fächer nach wie vor mehr als stiefkindlich behandelt wird. Darauf ist wohl zurückzuführen, dass diese Disziplinen kaum wissenschaftliche Output in diesem Bereich produzieren. Dass dies meines Erachtens ein unverzeihliches Versäumnis in einem Zeitalter ist, in dem Internetnutzung fast schon zu den (über-)lebensnotwendigen Kulturtechniken gezählt werden kann, kann ich nicht laut und deutlich genug sagen! Für unseren Seminarkontext bedeutete das, dass wir ständig gezwungen waren, auf „fachfremde“ Texte zurückzugreifen, deren generelles Verständnis und deren Transfer auf religionswissenschaftliche Fragestellungen für die Studierenden (meist im Grundstudium) eine große Herausforderung darstellte. – Und uns allen manchmal vermutlich misslang.

Auch wenn viele Fragen (Datenschutz, rechtliche Aspekte, …) nicht befriedigend beantwortet werden konnte, bin ich dennoch überzeugt, den Studierenden ein gewisses Verständnis der neuen, gerne euphemistisch als „Web 2.0“ bezeichneten Internetanwendungen und -diensten vermittelt zu haben. Und bin zuversichtlich, dass sich „das Internet“ als seriöses Forschungsfeld für Religions- und andere Kulturwissenschaftler immer mehr etablieren wird!

Für alle, die sich fragen, was wir denn nun tatsächlich im Seminar behandelt haben, hier unser „Abschlussquiz“, welches als Diskussionsgrundlage für die Abschluss-Sitzung für große Kontroversen und spannende Diskussionen geführt hat. – Insbesondere, da es oft mehrere Antwortmöglichkeiten gibt! Viel Spass!

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