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Die Wissenschaft und die Blogosphäre. Eine Untersuchung anhand des Blogs http://www.chrismonblogs.de

von Franziska Schau

Innerhalb meines Essay werde ich mich der Untersuchung der Website http://www.chrismonblogs.de widmen.

chrismonblogs

Dies ist ein Blog des Verlages http://www.chrismon.de. Betrachtet man das Weblog, so lässt sich feststellen, dass es einfach gestaltet ist. Bilder von den Herausgebern beziehungsweise Autoren sind nicht vorhanden. Allgemein gesprochen ist es schlicht gestaltet. Klickt man auf einen Artikel, so werden in einer Navigationsleiste auch andere Artikel eingeblendet.

Als Herausgeber des Verlages http://www.chrismon.de sind Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, Hermann Gröhe, MdB, Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber und Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann zu nennen. Hieran erkennt man deutlich, dass dieser Verlag evangelisch orientiert ist. Dies wird auch innerhalb des Weblogs deutlich, da christliche Themen im aktuellen Kontext angesprochen werden, wie zum Beispiel „Wie wird man Messias?“ von Eduard Kopp, er ist leitender Redakteur bei http://www.chrismon.de. Eine detaillierte Definition von Weblogs ist in diesem Kontext leider nicht möglich, jedoch hier eine kurze Begriffsbestimmung:

„Ein Blog oder auch Weblog, Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal. Häufig ist ein Blog „endlos“, d. h. eine lange, abwärts chronologisch sortierte Liste von Einträgen, die in bestimmten Abständen umbrochen wird. Es handelt sich damit zwar um eine Website, die aber im Idealfall nur eine Inhaltsebene umfasst“ (Quelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Weblog, verfügbar am 21. März 13:4)

Einen Überblick zu diesem Thema findet sich in dem Artikel „Wissenschaftsblogs“ von Anke Drewitz. Weiterhin werde ich einen knappen Überblick der Autoren – Typisierung darstellen. Jan Schmidt unterscheidet in seinem Artikel „Weblogs“ vier Typen von Autoren: Beobachter und Kommentatoren beobachten das Verhalten, beteiligen sich aber selten durch eigene Beiträge oder Kommentare; Autoren und Erzähler nutzen Weblogs, um über für sie relevante Themen zu schreiben; Themenanwälte und Vernetzer konzentrieren sich auf spezifische Themen und die Moderatoren, sofern diese vorhanden sind, löschen Kommentare oder bearbeiten Beiträge. In Bezug auf das Fallbeispiel http://www.chrismonblogs.de ist klar zu erkennen, dass beispielsweise Eduard Kopp über ein aktuelles Thema schreibt. In dem Artikel „Wie wird man Messias?“ bezieht er sich auf den Messias und setzt dies in einen aktuellen Kontext der Präsidentenwahl in Amerika, genauer auf Barack Obama. Hierfür sind drei Kommentare vorhanden und es scheint, als würden sich die Kommentatoren in besagtem Metier auskennen. So beispielsweise eine Kritik von Dr. Michael Kiworr:

„Kennen Sie Jesus Christus? Wenn ja- warum berichten Sie nicht von Ihm und geben diese Freude weiter (z.B. nach 1.Joh. 1,3-4?) Solange das aber nicht so ist, kann ich nur weiterhin froh sein, aus der evangelischen Kirche ausgetreten zu sein, weil ich Christ bin. Ich freue mich, wenn Sie den Mut haben, diesen Leserbrief abzudrucken und freue mich auf Ihre Antwort, mit durchaus freundlichen Grüßen, Ihr Dr. Michael Kiworr“.(Quelle: http://www.chrismonblogs.de, verfügbar am 21. März 2009, 14:31 Uhr)

Allen Anschein nach ist diese Person Arzt oder im medizinischen Bereich tätig, was aber nicht heißt, dass er sich auf besagtem Metier nicht auskennt. Wie bereits erwähnt geht der besagte Weblog von einem Verlag aus. Dies bietet die Möglichkeit, einen Leserbrief „online“ zu verfassen. Zumal wieder wird auf http://www.chrismonblogs.de kurz erläutert, was Weblogs ausmacht:

„Der Begriff „Weblog“ kommt von „Web“ und Logbuch“. Sie können im Weblog Ihre persönliche Meinung zu vorhandenen Weblog – Themen oder bereits vorhandenen Einträgen schreiben“. (Quelle: http://www.chrismonblogs.de , verfügbar am 21. März 2009, 14:31 Uhr)

Somit bietet der Verlag die Möglichkeit an, dass Leser, welche das Online – Magazin lesen, Kommentare zu bereits erstellten Themen schreiben; das Verfassen eines Artikels scheint jedoch nur ein Privileg für Mitarbeiter beziehungsweise Redakteuren (wie z. B. Eduard Kopp) zu sein. Im Gegensatz dazu besteht die Möglichkeit, einen Leserbrief zu erstellen. Die Vor- und Nachteile sollte der Nutzer selbst abwäge. Es ist zu erwähnen dass Weblogs, bis auf wenige Ausnahmen, bisher nicht in die Kommunikations – Infrastruktur des Wissenschaftssystems eingebettet sind. Dies kann beispielsweise die Ursache haben, dass Wissenschaftler Blogs als Form der Selbstdarstellung ohne Niveau ansehen, das heißt eventuell existiert die Angst vor einem Imageschaden. Jedoch gibt es auch Ausnahmen, wie den Weblog von Dr. Michael Blume. Auch ist zu beachten, dass Blogs als gleichwertige Kommunikationsmittel dienen können, wie beispielsweise Fernsehsendungen oder Zeitungen. Nun stellt sich die Frage, welchen Nutzen innerhalb der Wissenschaft aus Weblogs gezogen werden kann. Kommentare und Verlinkungen können ein Informations- und Diskursnetzwerk entstehen lassen. Auf http://www.chrismonblogs.de ist eine Fülle von Artikeln vorhanden, jedoch nicht allzu viele Kommentare. Auch durch der Art der Texte, Thesen oder Anmerkungen des jeweiligen Autors des Blogs entwickelt sich ein Profil und daraus entsteht eine wissenschaftliche Blogidentität. Innerhalb des zu untersuchenden Blogs habe ich festgestellt, dass drei Autoren existieren. Nun stellt sich mir allerdings die Frage, ob der Autor selbst Wissenschaftler ist oder sich nur für das besagte Thema interessiert? Als Beispiel wäre Eduard Kopp zu nennen, dieser leitet seinen Artikel „Wie wird man Messias?“ mit Ausschnitten aus Zeitungen ein: „Kann ein Messias auch regieren?“ („Die Zeit“) oder „Hauch von Erlösung“ („FAS“). Natürlich können diese Überschriften als Ein- oder Herleitungen zu einem bestimmten Thema führen, jedoch denke ich, dass Eduard Kopp den Leser ansprechen wollte.

„Den Autoren stehen verschiedene soziale und technische Möglichkeiten des Identitätsmanagements zur Verfügung, indem Inhalt und Gestaltung des Weblogs im Belieben des Einzelnen stehen, wenn auch – je nach Kontext des Weblogs – übergeordnete Regeln und Vorgaben zum Tragen kommen“ (Quelle: Jan Schmidt, Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. 2006, S. 65)

Hinter den Weblogs werden soziale Netzwerke geschaffen, dies kann unter anderem durch Kommentare oder thematische Überschneidungen geschehen. Dadurch kann es zu fachlichem Themenaustausch kommen oder gar zu einer Zusammenarbeit auf einem bestimmte Gebiet. Leider liegen hierfür keine empirischen Belege vor, jedoch könnte ich mir gut vorstellen, dass beispielsweise der Religionswissenschaftler Dr. Blume Anmerkungen zu Artikeln auf http://www.chrismonblogs.de schreiben könnte. Jedoch ist dies meiner Meinung nach als eher unwahrscheinlich zu betrachten.

Sind Weblogs nun bedeutend für den modernen Wissenschaftler? Hierbei beziehe ich mich auf die Autoren Mark Scheloske und John S. Wilkins. Vergleicht man beide Wissenschaftler, welche sich mit Weblogs beschäftigt haben, so wird deutlich, dass Scheloske eher negativ gegenüber wissenschaftlichen Blogs eingestellt ist und Wilkins durchaus positiv und motiviert. Scheloske findet, dass wissenschaftliche Weblogs eher eine Ausnahme darstellen und versucht die Gründe, weshalb wissenschaftliche Weblogs existieren, zu entkräften. Wilkins meint, Weblogs haben eine bedeutende Rolle innerhalb der Wissenschaft eingenommen und zählt durchaus positive Aspekte des wissenschaftlichen Bloggens auf. Wissenschaftliche Weblogs sind für Scheloske in erster Linie Kommunikations- und Kooperationsinstrumentarien innerhalb des Wissenschaftssystems. Wilkins glaubt zudem, dass Blogs Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, Missverständnisse auszuräumen und ihre Arbeit einer bereiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Betrachtet man dies wieder im Kontext von http://www.chrismonblogs.de wird deutlich, dass es sich hierbei nicht eindeutig um einen wissenschaftlichen Blog handelt. Ich denke, besser wäre hier der Begriff eines Blogs als religionswissenschaftliche Quellen zu verwenden.

Einen guten Überblick hierfür bietet der Artikel von Till Hagen Peters „Online – Journale als religionswissenschaftliche Quelle?“:

„Selbst unter der Voraussetzung, dass die im Online-Journal geäußerten religiösen Überzeugungen dem Authentizitätsanspruch der Leser genügen, bedarf es einer interpretativen Leistung des Religionswissenschaftlers. Denn wie auch jeder klassische Text besteht ein Blogeintrag zunächst nur aus “Zeichen”, die nicht per se die in ihnen enthaltenen Informationen offenbaren. Es muss also auch bei der Analyse eines Blogs die Frage nach der richtigen Methode der Interpretation beantwortet werden, um die primäre Forderung eines jeden wissenschaftlichen Vorgehens nach intersubjektiver Gültigkeit zu erfüllen“ (Quelle: https://webreligion.wordpress.com/2009/02/07/online-journale-als-religionswissenschaftliche-quelle, verfügbar am 21. März 2009, 14:31 Uhr)

Was aber bewegt Menschen dazu, wissenschaftliche Blogs zu erstellen? Im Fall von http://www.chrismonblogs.de ist darzustellen, dass meiner Meinung nach eine Art Alternative gesucht wurde, um eine noch breitere Leserschaft zu erreichen. Wie bereits erwähnt, geht dieses Blog von einem Verlag aus. Durch das Internet werden jedoch mehr Individuen auf die geschriebenen Artikel aufmerksam und können Kommentare verfassen oder sich Podcasts anhören. Auch innerhalb der Podcasts können zu bestimmten Themen Meinungen gesammelt und erfasst werden. Außerdem wird durch dieses Blog eine zeitnahe und schnelle Berichterstattung gewährleistet. Insgesamt ist festzuhalten, dass Weblogs meiner Meinung nach durchaus den Charakter des wissenschaftlichen Arbeitens beinhalten können. Sie stellen eine neue Form der Veröffentlichung dar und machen das Wissen durchaus einer breiteren Masse an Menschen möglich. Jedoch sollte man nicht allzu leichtfertig mit diesem Thema umgehen, sondern die Blogs nach ihrem wissenschaftlichen Gehalt untersuchen und kritisch hinterfragen. In besagtem Blog ist durchaus erkennbar, dass es sich um ein christlich – evangelisches Blog handelt. Ich würde behaupten, dass es sich hierbei um eine religionswissenschaftliche Quelle handelt, denn die behandelten Themen sind aktuell und in einen religiösen Kontext eingebettet. Allerdings ist zu erwähnen, dass ich es persönlich als wissenschaftliche „angehauchtes“ ansehen würde, da teilweise Aspekte eines solchen Blogs erscheinen, da stets objektiv geschrieben wird und teilweise auch mit Belegen aus Sekundärliteratur beziehungsweise Quellen gearbeitet wird. Ich denke, in den vorhandenen Artikeln werden bestimmte Spektren angesprochen, welche sowohl für Christen, als auch für Atheisten interessant sind. Eventuell stellen diese Einträge wie manch anderes Blog oder gegebenenfalls Videoportale eine Art Propaganda und /oder Proselytismus dar. Jedoch müsste dies in einer empirischen Studie untermauert und/oder widerlegt werden.

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