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Zur religionswissenschaftliche Relevanz von Videoportalen am Beispiel von Kathtube

25.02.2009

von Sophie Roll

In diesem Ausflug zu religiös motivierten Videoclips im Netz habe ich mich entschieden meine Beispiele auf eine „Video sharing website“ , nämlich Kathtube, zu beschränken. Ich möchte hieran zeigen, dass das Spektrum für religionswissenschaftlich relevante Inhalte dieser Videobotschaften auch innerhalb einer Gemeinschaft vielfältig sein kann und natürlich, dass Informationen, welche die Mitglieder dort Teilen für uns als (angehende) Religionswissenschaftler interessant sind.

Erst noch ein paar Worte über Kathtube.org:

Diese Seite wird nicht von der katholischen Kirche betrieben, aber von ihr akzeptiert. Offensichtlich sind die Initiatoren der Seite eine Familie – Roland (Gandalf), Linda und Valerie – mit einigen Freunden. Die drei übergeben in Rom eine Art Gebetsammlung von Kathtube Papst Benedikt XVI und Baby-Valerie bekommt ein Küsschen. Dann gibt es noch jemanden, der die Bilder aufgenommen hat. Es gibt noch einige Bilder mehr von „Kathtube“ in Rom sowie sehr viele private Bilder. Offiziell sind die Eigentümer von KATHTUBE der Verein Kath.net und DIP3.

Personalien

Die Herausgeberschaft von KATH.NET besteht aus Petra Knapp-Biermeier und Roland Noé. Chefredakteurin ist Petra Knapp, weitere Redaktionsmitglieder sind Christof T. Zeller-Zellenberg, Stefan Bolli, Linda Noé, Roland Noé und Papstfotograf Christoph Hurnaus. Offizielle Vatikan-Korrespondentin ist Adrienne Suvada. Zu den verschiedenen regelmäßigen Autoren auf KATH.NET zählen die Bischöfe Clemens Pickel und Andreas Laun sowie Paul Badde, der Vatikankorrespondent der Zeitung „Die Welt“ und Mitherausgeber der Vatikanzeitschrift „Vatican“. Neben dem Hauptsitz Linz gibt es auch in der Schweiz ein Büro, das von Stefan Bolli geleitet wird. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen Ländern gibt es nebenbei noch mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter.

DIP3 ist ein EDV Bildungsservice, der sich an einer christlichen Weltanschauung orientiert. Er unterstützt das Wirken rund um Kath.net (KATHPEDIA) Der Geschäftsführer ist Dr. Erik Diewald. (kathpedia.com)

Im Gegensatz zu einer religiösen Homepage, auf der die Betreiber bestenfalls ihre Glaubensvorstellungen im Detail beschreiben, darstellen und diskutieren, ist eine Video sharing website natürlich erst mal heilloses Durcheinander für uns als Religionswissenschaftler. Dennoch glaube ich, dass es sich lohnt auch dort zu forschen. Die Videoclips öffnen einen anderen Zugang über Inhalte der Sequenzen, unter Umständen filmwissenschaftliche Aspekte und können einen ganz neuen Einblick geben. Durch Videobotschaften können im Internet (religiöse) Gefühle ausgedrückt werden nicht nur visuell und in Audio sondern auch in Gestik und Mimik. Der Zeitraum über den etwas vermittelt werden soll ist variabel. In einem gut dargestellten Clip kann also in der benötigten Zeit der entsprechende Inhalt bequem und einprägsam vermittelt werden. Das stellt einen Vorteil den Textbasierten Selbstauskünften gegenüber dar und ermöglicht eine Untersuchung die vielleicht deutlich Aufschluss geben kann im oft als unpersönlich dargestellten Internet. Selbstverständlich wird die Tatsächliche Ausgangsposition durch Fehlen von Elementen wie Geruch, Haptik oder den berüchtigten realen Raum nicht vollkommen wiedergegeben.

Es gibt allerdings viele Arten solcher Clips. Nicht jeder dreht seinen eigenen Beitrag selbst, was selbstverständlich auch immer eine Frage der Möglichkeiten ist. Es werden Musikclips kopiert, Filmszenen, oder Fernsehmitschnitte oder einfach religiöses Geschehen wie Rituale gefilmt. „Gandalf“ hat beispielsweise die Taufe seiner Tochter online gestellt. Auch wenn jemand ein Musikclip kopiert, lässt sich sinnvoll fragen: was bewegt diesen Menschen daran, dass er es auf ein religiös motiviertes Portal stellt?

Kleine Plauderei aus dem Nähkästchen

Als ich mein Hebraicum gemacht habe war in meinem Kurs eine sehr nette Kommilitonin, die mir dringend nahe gelegt hat „Constantin“ (lief gerade im Kino) zu sehen. So wäre das. Zwischen den guten und den bösen Mächten. Sie war sehr aufgeregt darüber und aufrichtig besorgt vorbereitet zu sein. Als ich den Film dann gesehen hatte war ich über ihre Offenheit ziemlich erstaunt. Was ich damit sagen will ist, dass es modernen populären Medien sehr wohl möglich ist die religiösen Gefühle von Menschen auszudrücken.

Der erste Clip den ich vorstelle ist ein Beitrag von Linda.

Es handelt sich um das Lied einer christlichen Band, der Lobpreisband ARISE! für die Werbung gemacht werden soll. Über einen Link kann man dieser Band seine Stimme geben bei einer Abstimmung darüber, wer beim christlichen Rockmusikfestival Palm Rock Night in Hutthurm spielen darf. Ich kann vom bloßen Ansehen nicht beurteilen ob die Band aus Lindas Gemeinde stammt, die Bilder mit denen der Clip unterlegt ist zeigen jedoch zum Teil Räume und Personen, die häufiger in kathtube-clips zu sehen sind. Augenscheinlich zeigt sich zunächst das hochmotivierte Bild von der fröhlichen Christenheit. Wenn sich jemand mit christlicher Musik auseinandersetzt oder christlicher Jugend lässt sich hierin sicherlich mehr Material oder Anknüpfungspunkte finden.

Das zweite Beispiel ist sehr viel präziser. In diesem kreativen Beitrag wird Werbung für die Ehe gemacht unter Verwendung von Tolkien-Symbolik. Es ist knapp und einprägsam und wirft sicherlich interessante religionswissenschaftliche Fragen auf, die auch in den Kommentaren dazu angesprochen werden. Was hat das katholische Ehesakrament mit Tolkien zu tun? Man könnte sich an dieser Stelle auch wundern, dass sich Teilnehmer von kathtube überhaupt Namen wie Gandalf oder eowyn geben.

Mein drittes Beispiel ist weniger harmlos, aus meiner Sicht sogar mehr als unerfreulich. Ich möchte davon abraten den Clip ganz anzusehen. Hier zeigt sich ein ganz anderer Aspekt der erzkatholischen Realität in politischer Dimension. Es wird Barack Obama vorgeworfen als Abtreibungsbefürworter zu handeln. Es steht selbstverständlich jedem frei sich gegen Abtreibung auszusprechen, aber in meiner Vorstellung von christlicher Nächstenliebe ist das ein ungewöhnlich aggressiver Beitrag. Warum sollte einer Frau oder auch einem Mann, die sich aus Beweggründen, die anderen unbekannt sind zu einer Abtreibung entschlossen haben mit solchen Bildern gequält werden? Warum nimmt kathtube einen solchen Beitrag auf? Darf ein guter Katholik also Obama nicht wählen / befürworten?

An diesem Beispiel lässt sich finde ich ganz gut zeigen, dass religiöse Darstellungen im Netz auch Meinungen beeinflussen können. Auch Meinungen, die Externe betreffen.

Ich glaube jedoch nicht, dass sich eine Untersuchung lediglich über ein solches Video aufbauen lässt. Um die Beiträge in einen sinnvollen Zusammenhang setzen zu können werden mehr Informationen über die Person oder die Gemeinschaft benötigt. Auf Kathtube wird zum Beispiel von Gandalf der Trailer zum Film „der Exorzismus der Emily Rose“ eingestellt. (Wenn jemand diese Beiträge sehen möchte, auf kathtube.com gibt es eine Suchfunktion. Unter Exorzismus werden alle Beiträge mit den Kommentaren angezeigt.) Er schreibt, er habe ihn nicht gesehen und möchte wissen, was die anderen darüber denken. Es gibt sowohl ablehnende Meinungen als auch befürwortende. Zwei Beiträge geben Ratschläge zu weiterführender Literatur. Ein Argument, ähnlich wie in meiner Anmerkung über „Constantin“ ist, dass sich Christen mit „einer anschaulichen Dimension des Bösen“ auskennen sollten. Außerdem wird auf Annelise Michel als Vorlage für den Film verwiesen und sogar ein Link mit Aufnahmen, angeblich des original Exorzismus dieser Frau angegeben.

Wenn man sich also mit Exorzismus im modernen Katholizismus auseinander setzen möchte findet man in den Kommentaren zu diesem kurzen Videoclip schon allerhand Material, dass eine Anknüpfung erlaubt.
Zunächst einmal die Beiträge der einzelnen. Einige sind „nur“ registrierte Betrachter der Beiträge, andere landen selbst ihre Beiträge hoch. Eowyn, die von dem Film abrät, hat unter ihren Beiträgen auch einen musikunterlegten Diabeitrag unter dem Titel „zieht die Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die listigen Anschläge des Teufels bestehen könnt!!“ Peccator hat, wie bereits erwähnt, die Tonbänder eingestellt usw.

Unter Exorzismus gibt es dann noch weitere Beiträge. Ein Interview mit Frau Prof. Ruth Lapid, einer Religionswissenschaftlerin, wird kritisiert, denn sie behauptet u.a. Dämonen seien nur, was wir heute unter psychischen Krankheiten verstehen. Es wird darauf hingewiesen, dass Besessene beim Psychiater keine Hilfe finden. Interessant ist ein Mitschnitt von Kirche in Not. Dort wird von der Christenverfolgung berichtet anlässlich der Vorstellung von „Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2008“ am 23.10. in Berlin. Zu diesem Thema heißt es auch: „Es gibt Verfolgung, aber es gibt auch Muslime, die in Klöstern geistliche Hilfe suchen und auch Befreiung, Exorzismus von Dämonen erleben.“ Dieser Beitrag ist unkommentiert.

Ein Video-Beitrag kommt noch von Gandalf. „Eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche heute ist, sich gegen das Böse, das wir Teufel nennen, zu verteidigen. Das bekräftigte Papst Paul VI. in einer Rede am 15. November 1972. Auch P. Gabriele Amorth, Exorzist der Diözese Rom, ist davon überzeugt.“ Es geht darum, dass der Exorzismus heute kaum genug Beachtung findet und um Pater Amorth, tätig als Exorzist, der darüber ein Buch geschrieben hat: „Ein Exorzist erzählt.“ Auch hier sind die Kommentare deutlicher Zuspruch, dass Exorzismus eine wichtige Waffe gegen das (reale ) Böse ist.

Die Statements der Nutzer sind zum Teil sehr aussagekräftig. Ich persönlich denke, dass es eine gute Möglichkeit sein kann, sich in einem solchen Portal anzumelden als Religionswissenschaftler und dort mit den Menschen über ihre Kommentare oder Beiträge zu sprechen. Mein Eindruck ist, dass sich auf Kathtube sicherlich aufgeschlossene Teilnehmer finden ließen, die gerne bereit wären sich auf einen Austausch oder sogar ein Interview einzulassen. So wäre ein solches Videoportal ein Einstieg in ein Thema, dass man gezielt im Netz aussuchen kann, in einem gezielt ausgesuchten religiösen Umfeld. Die Ernsthaftigkeit der Teilnehmer vorausgesetzt, auf die wir bei unserer Arbeit immer angewiesen sind. So arbeitet uns der öffentliche Gebrauch dieser Internetanwendungen geradezu in die Hände und ich bin der Meinung wir dürfen und sollten diese Möglichkeiten nutzen.

  1. a266
    03.03.2009 um 13:32

    Du hast sehr interessante Beispiele ausgewählt…macht fast süchtig da weiter zu stöbern.

    Wäre natürlich spannend gewesen, zu sehen, was für Ergebnisse du erzielt hättest, wenn du die User tatsächlich befragt hättest…

  2. 12.08.2009 um 19:39

    Das Thema „Exorzismus“ nimmt in dieser „Untersuchung“ ungewöhnlich breiten Raum ein. Es ist mir schon öfter aufgefallen, dass Religionswissenschaftlicher ganz „besessen“ vom Thema Besessenheit sind. Wieso das?

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