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Ethik und Weblogs

20.02.2009

von Maria Danziger

kbeck

Warum treten so viele Schwierigkeiten auf, wenn es um einen Ethikkodex im Weblog geht? Ist denn das Medium Weblog wirklich so anders und benötigt komplett neue Ethikregeln? Oder widerspricht ein Ethikkodex im Blog nicht sogar der Meinungsfreiheit?

Um die ethischen Problem im Blog zunächst einmal näher zu analysieren, möchte ich, wie auch Prof. Klaus Beck in seinem Text „Neue Medien – alte Probleme? Blogs aus medien- und kommunikationsethischer Sicht“, auf den ich mich im Folgenden beziehe, zunächst drei verschiedene Blogtypen unterscheiden:

  1. das persönliche Online-Journal oder –Tagebuch
  2. laien-/journalistische Blogs
  3. Corporale Blogs

Blogs von Typ 1 richten sich an meist kleinere, persönlichere Kreise und dienen dem Selbstausdruck und Identitätsmanagment. Blogs vom Typ 2 und 3 sind dagegen adressiert an eine politisch-relevante Teilöffentlichkeit und dienen mehr der Publikation von Informationen, die zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen sollen, oder zumindest ein Forum dafür bieten. Laien-/ journalistische Blogs sind orientiert an positiven und negativen Funktionen des Journalismus, wobei der Autor des Blogs ein professioneller Journalist sein könnte, oder eben auch nicht. Und Corporale Blogs sind Medien organisierter Interessengruppen oder professioneller Organisationen und dienen als strategische Instrumente der kooperativen und kommunikativen Kommunikation.

Die verschiedenen Differenzen der drei Typen von Blogs weisen auf die Vielfalt von kommunikativen Prozessen, Phänomenen, Werten und in Folge dessen auch auf Probleme der Blogosphäre hin. In jedem dieser Typen sind verschiedene ethische Probleme zu finden und eine Verallgemeinerung auf das Medium Blog fällt schwer. Eine bloße Übertragung sektoraler Medienethiken, wie der journalistischen Ethik oder Chatiquette wäre hier nach Beck weder empirisch noch normativ sinnvoll. Und auch wenn die Heterogenität der Blogosphäre betrachtet wird, mit ihren kulturellen und funktionalen Grenzen und der Vielfalt an Werten und moralischen Normen, werden die kommunikationsethischen Probleme und Konflikte sehr deutlich.

Bei persönlichen Online-Journals geht es vorwiegend um authentische Selbstdarstellung und persönliche Beziehungen, wobei die unbegrenzte technische Reichweite und der weitverbreitete Verzicht auf Zugangsbeschränkungen zu ethischen Problemen führen können, wie der Veröffentlichung des Privaten, denn hier entfällt die Missbrauchskontrolle. Vielen Bloggern scheint ein geschützter Zugang unwichtig zu sein. Sie glauben vielleicht, dass kein Interesse an ihren Blogbeiträgen besteht, sie technisch nicht genutzt werden können, oder mangelndes soziales Kontextwissen und fehlende semantische Kompetenzen das Verständnis mindern. Bloggern bleibt es meist selbst überlassen, welche Informationen sie von sich preis geben, denn sie dienen der persönlichen Kommunikation und nicht der Vermarktung. Die persönliche Meinungsfreiheit ist den Usern sehr wichtig. Die Blogger sind vielmehr Subjekt der Kommunikation, als im Verwertungszusammenhang kommerzieller Medien. Doch wie autonom ist das wirklich? Die Rechte am User Generated Content in den Blogs gehen ja auf den Dienstanbieter über, der beliebig darüber verfügen kann. Ebenso können Dritte sich Daten, wie Fotos und Videos, downloaden und privatisieren. Allerdings sind sich nicht alle Blogger dieser vertraglichen Regelung bewusst. Die informelle Selbstbestimmung, ein Kernelement kommunikativer Autonomie, geht hier verloren und es kommt zur ethisch relevanten Frage der Verwendung der Informationen.

Ein weiteres ethisches Problem in Blogtyp 1 entsteht aus den oft spontan gemachten positiven und negativen Aussagen zu anderen Menschen. So kann es passieren, dass private und intime Informationen über identifizierbare Dritte gemacht werden, die somit, vielleicht ohne es zu wissen, ihr Recht auf informelle Selbstbestimmung verlieren und im schlimmsten Falle sogar ihre persönlich Würde und Ehre verletzt sehen. Und da Blogs einen technisch nahezu unbegrenzten Speicher haben, ergeben sich unbeabsichtigte Neben- und vor allem Langzeitwirkungen. Deshalb meint auch Beck, dass zu viel Authentizität im Blogtyp 1 große medienethische Probleme erzeugen kann.

Der zweite Blogtyp lässt sich in zwei Pole gliedern: klassischer professioneller Nachrichtenjournalismus und Laienjournalismus. Klassischer professioneller Nachrichtenjournalismus, wie ihn Presse, Rundfunk und Online-Redakteure leisten, orientiert sich an professionellen Standards und berufsethischen Normen, wie z. B. den Publizistischen Grundsätzen des Deutschen Presserats.  Beispiele dieser Grundsätze sind: Bemühen um Objektivität und Ausgewogenheit, Recherche und Gegenrecherche, Trennung von Nachricht (Bericht) und Meinung (Kommentar), Unabhängigkeit der Berichtserstattung; Achtung persönlicher Ehre und Würde, Diskriminierungsverbot, Verbot der Vorverurteilung oderder sensible Umgang mit persönlichen u. intimen Informationen. Diese Normen gelten nicht unwiderruflich, es sind nur Richtlinien, jedoch haben Gesetze, Rechtsprechung und die Furcht vor Schadensersatz stark regulierende Funktionen darauf.

Zum Laienjournalismus dagegen werden auch Konzepte wie Civic oder Civil Journalism, Bürgerjournalismus und als emphatische Variante Alternativ- und Gegenöffentlichkeit gerechnet.Es sollen vermeintlich „passive“ Rezipienten selbst zu „aktiven“ Kommunikatoren werden, die relevante Themen öffentlich machen. Das Repräsentationsverhältnis soll in einer Zivilgesellschaft mit aktiven und mündigen Bürgern ausgeschaltet werden, es bedarf keinen „Sprechern“ (prof. Journalisten) mehr, denn jeder Bürgen kann sich selbst direkt ausdrücken.m Laienjournalismus herrscht ein ganz anderes Verhältnis von Objektivität und Ausgewogenheit, sowie ein daraus resultierender andersartiger Umgang mit Quellen. Objektivität findet sich hier nicht, sie wird ersetzt durch entweder einen emphatischen Subjektbegriff oder durch ein außenpluralistisches Diskursmodell. Individuelle, subjektive Meinungen und Themenselektion treten an die Stelle des konventionellen Funktionsverständnisses von Journalismus. Das Individuelle steht im Vordergrund. Es wird allerdings durch Kommentarfunktionen, Trackbags, also technische Features und kommunikative Phänomene der Blogosphäre in einen sozialen, intersubjektiven Diskurskontext gestellt.

Es gibt aber auch sogenannte „para-„ oder „pseudojournalistische“ Blogs, welche gezielt einen professionellen journalistischen Eindruck erzeugen wollen. Daraus entsteht nun wieder ein medienethisches Problem der Verfälschung. Die Mehrzahl der laienjournalistischen Blogger betrifft das aber nicht, so auch Beck. Viel häufiger wird sehr eindeutig auf professionelle journalistische Beiträge verwiesen, welche dann in einen subjektiven Interpretationszusammenhang und damit einen neuen Kontext gestellt werden. Den Laienjournalisten ist gemeinsam, dass sie eine andere Form von Journalismus betreiben wollen und sich in diesem Zusammenhang auch auf andere Werte und Normen beziehen.

Corporale Blogs, also Blogs von Typ 3, dienen der Organisations- bzw. Unternehmenskommunikation, womit organisationsinterne oder –externe Öffentlichkeiten erreicht werden sollen. Hier kann allerdings zu wenig Authentizität zum kommunikationsethischen Problem werden. Unternehmen können Blogs finanzieren und organisieren, welche dem Nutzer gar nicht als Corporale Blog erkennbar ist. Darin versuchen sie dann versteckt, gemäß der strategischen Interessen der Organisation, zu kommunizieren. Doch auch wenn hier positiv verfälschte Vorgaben gemacht werden, haben die Betreiber des Blogs eine höhere Glaubwürdigkeit, als wenn sie ihre wahre Identität und ihre strategischen Absichten darlegen würden. So eine Verfälschung kann auch im politisch-propagandistischen Interesse durch Regierung, Militär, Parteien etc. erfolgen. Hier besteht ein kommunikationsethisches Problem im strategischen und „bösartigen“ Ausnutzen des Vertrauenskredits und im Verstoß gegen den Geltungsanspruch der Wahrhaftigkeit, denn die wahren Absichten können nicht erkannt werden.

Um dieses Problem zu lösen, haben sich in klassisch-publizistischen Medien ein Normengefüge und ein Regulierungsrahmen entwickelt, wodurch politische oder weltanschauliche Propaganda und kommerzielle Wirtschaftswerbung zwar nicht verboten, doch eindeutig vom Journalismus getrennt werden. Dies wird zwar nicht immer konsequent eingehalten, allerdings haben redaktionelle Aussagen einen Wahrheitsanspruch. In der Blogosphäre dagegen greift dieses Normengerüst allenfalls teilweise, denn es fehlt einfach eine normative Absicherung der redaktionellen Seite, die es hier so gar nicht gibt.

Kommunikationsethnische Probleme werden auch von Bloggern selbst diskutiert und nicht nur aus rein akademischer Sicht betrachtet. Es gibt einige nicht-repräsentative Online-Befragungen zu diesen Themen, die Beck in seinem Text aufführt. Ein Beispiel stellt eine Studie dar, in der 90% der Blogger sagen, dass sie schon mal Persönliches über andere Menschen veröffentlicht haben, aber nur 3% die betroffene Person überhaupt gefragt haben. Martin Kuhn hat auf Grundlage einer Analyse der medienethnischen Literatur und einer nicht-repräsentativen Onlinebefragung unter Bloggern in den USA 2005 vier Hauptprobleme identifiziert:

  1. verdeckte Berichterstattung
  2. Transparenz bzw. Authentizität
  3. Identität und
  4. Anonymität.

Die meisten Blogger fühlen sich nur den Menschen ihres persönlichen sozialen Umfeld gegenüber verantwortlich, nicht der gesamten Gesellschaft. Faktentreue und sachliche Wahrheit sind für die meisten die wichtigsten Werte, so Kuhn, aber noch wichtiger ist den Bloggern die Meinungsfreiheit. Kuhn sieht in seinen Studien den kleinsten gemeinsamen Nenner in der Maxime:

Verbreite keine Lügen und Unwahrheiten, schreibe regelmäßig, lösche nie Einträge und langweile auf keinen Fall deine Leser.“
(Quelle: Kuhn, M: C.O.B.E.: A Proposed Code of Blogging Ethics, 2005. Online unter: reconversation.blogs.com [07.09.2006])

Auch andere haben ethische Prinzipien entwickelt, wie z. B. Andy Koh u. a. Sie haben vier ethische Prinzipien herausgearbeitet, an Hand denen sie die Unterschiede der Bewertung bei Bloggern untersucht haben:

  1. Wahrheit
  2. Verantwortungsgefühl
  3. Schadensvermeidung
  4. Richtige Zuschreibung / Attribution (Quelle: weblogethics.blogspot.com/2005/07/ethics-blogging-2005.html [07.09.2006]).

Aber den sogenannten Laienjournalisten sind Wahrheit und richtige Zuschreibung deutlich wichtiger als Online-Journalschreibern, für die Schadensvermeidung das wichtigste ist. Das Verantwortungsgefühl scheint nur begrenzt vorhanden zu sein, nur 58% der Blogger halten sich für haftbar und 10% sind sicher, für nichts was online veröffentlicht wird, belangt werden zu können.

Es gilt für die Netiquette insgesamt, wie für Spezial-Etiquetten (Chatiquette), dass diese meist erst ex post schriftlich kodifiziert wird. Ein gewisser empirisch erreichter Stand der Praxis wird also beschrieben, der dann auch positiv als Gebot oder negativ als Verbot „festgeschrieben“ und vorgeschrieben werden soll. Damit wird versucht, einen Konsens zu fixieren, eine Orientierung zu geben und als Argumentations- und Legitimationshilfe in Konfliktfällen zu dienen. Deshalb hat sich auch in der Blogosphäre eine medienethische Debatte aufgetan. Es wird aber nicht nur über die Regeln debattiert, sondern auch über die Frage der Notwendigkeit der Selbstregulierung. Oft wird dabei aber übersehen, dass Moral, vielleicht gerade im Netz und unter der Bedingung weitgehender Freiheit, von unten wächst, d. h. es bilden sich mit der Zeit von selbst Regeln und gängige Praktiken. Doch die Möglichkeit zu Handlungsalternativen wirft schlussendlich doch immer moralische Fragen auf. Die Kernfrage bezieht sich also vielmehr auf die Kodifizierung der Regeln, nämlich der mittlerweile verstärkt erhobenen Forderung nach Verschriftlichung des Ethikkodex. Um das Medium Blog aufzuwerten, meinen einige kommerzielle Blogger, ein stärker reguliertes „zivilisiertes“ Medium bieten zu müssen, weil es so an Seriosität und Reputation gewinnt. Auf der anderen Seite wird die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit angeführt, die keinerlei Regulierung gestattet. Daraus ergibt sich eine heiße Debatte zweier Parteien.

In der Blogosphäre wird der Ruf nach kodifizierten Normenkatalogen immer lauter. Ein Vorschlag kam dazu von Rebecca Blood, eine der Blogpionierinnen. Sie hat 2002 sechs kommunikationsethische Grundsätze des Bloggens formuliert:

  1. Es soll nur publiziert werden, was man selbst für wahr hält; und Vermutungen sollen als solche gekennzeichnet werden.
  2. Sofern es online publiziertes Quellenmaterial gibt, soll auf dieses verlinkt werden, damit sich die Leser selbst ein Bild machen können.
  3. Alle Falschinformationen sollen öffentlich richtig gestellt werden.
  4. Alle Einträge sollen so geschrieben werden, als ob sie nicht mehr geändert werden könnten; alte Einträge sollen niemals geändert oder gelöscht werden.
  5. Etwaige Interessenkonflikte sollen offengelegt werden.
  6. Fragwürdige und parteiische Quellen sollen gekennzeichnet werden (Quelle: Blood, R.: The Weblog Handbook: Practical Advice on Creating and Maintaining your Blog, Cambridge/ MA 2002)

Die Debatte begann in Deutschland erst später, weist aber in eine ähnliche Richtung. So veröffentliche z. B. Johny Hacuslers ab 2005 seine 7 Selbstverpflichtungen, wie

1. Ich respektiere die Privatsphäre Dritter…
2. Ich nenne Quellen und respektiere Urheber […]
6. Ich lasse mich korrigieren.
(Quelle: spreeblick.com)

Mittlerweile wurden aber für einzelne Blog-Communities spezielle Blog-Kodizes und Guidelines erdacht, so beispielsweise das Frauenblog-Netzwerk BlogHer: http://blogher.org/community-guidelines.

Auch Tim O´ Reilly hat zu diesem Thema einen „Call for a Blogger´s Code of Conduct“ verfasst, der auf Grund eines konkreten sexistischen Zwischenfalls in der Blogosphäre entstanden ist. Er fordert, dass Blogger die Verantwortung für ihren Blog und die Kommunikation in der Blogosphäre übernehmen. So schreibt er beispielsweise:

  • Man sollte nichts schreiben, was man dem anderen nicht auch persönlich sagen würde.
  • Auch für die Kommentare von Dritten soll die Verantwortung getragen werden.
  • Falls diese Kommentare bedrohlich aggressiv und beleidigend sind, sollen sie – mit einer Erklärung – gelöscht werden.
  • Zu verletzende Kommentaren sollte, soweit möglich, ein Diskurs geführt werden, warum sie unerwünscht sind.
  • Es sollen aber nicht alle Konflikte im Blog ausgetragen werden, für eine konstruktive Lösung empfiehlt O´ Reilly einen Medienwechsel, also eine Diskussion offline
  • <Trolls (die Streit provozieren) sollen ignoriert werden
  • Es sollte immer eine Identifikation verlangt werden, zumindest eine E-Mail-Adresse angegeben werden. usw.
    (Quelle: http//radar.oreilly.com/archieves/2007/03/call_for_a_blog_1.html [08.08.2007])

O´ Reilly will aber vorbeugend verdeutlichen, wie im betreffenden Blog kommuniziert werden soll, weshalb er für eine transparente Darstellung der Kommunikationsregeln plädiert.

Seine Ansichten stoßen jedoch in der Online-Debatte auf einige Gegenreaktionen. Sie verstießen gegen die Web-2.0-Ideologie, die gegen aktive Eingriffe bis hin zum Löschen von Einträgen oder gar Sperren von IP-Adressen aufruft. Allerdings ist hierbei anzumerken, dass es keine genaue terminologische Fixierung gibt: die Web-2.0-Ideologie existiert in der Vorstellung der User und ist nicht festgeschrieben. Es wird befürchtet, dass er Kontrollmechanismen des Web 1.0 reaktivieren möchte. Dies wird sogar von einigen als Zensur verstanden, allerdings unterscheiden sie nicht zwischen privaten Bloganbietern und Staat, bzw. Kirche. Das Zensur-Argument wird noch immer als „Totschlagargument“ genutzt, obwohl O´ Reilly ausdrücklich auf die Gefahr hinweist und es konsequent ablehnt, Beiträge nur zu löschen oder zu verbieten, weil sie eine andere Meinung ausführen.

Fazit

Die bisher vorgeschlagenen Normenkataloge sind medienunspezifisch und unbestimmt, sie lassen sich ebenso auf andere Medien anwenden. Die allgemein gefassten Formulierungen bieten im Einzelfall wahrscheinlich eher wenig Entscheidungshilfe. Bei der Betrachtung von Kommunikations- und Medienethik als Reflexionsfunktion zeigt sich jedoch, dass kommunikationsethische Probleme der Blogosphäre nicht nur objektiv empfunden werden, sondern auch subjektiv und somit immer mehr Gegenstand grundsätzlicher Debatten werden.

Dabei zeigt sich bei persönlichen Online-Journalen aus medienethischer Sicht, dass die Authentizitätsnorm in Konflikt mit der informationellen Selbstbestimmung der Autoren, vor allem aber von betroffenen Dritten, geraten kann. Diese Auswirkungen werden aber oft unterschätzt. Bei Laienjournalistischen Blogs handelt es sich aus normenanalytischer Sicht zwar nicht um Journalismus, weshalb die Grundnormen des professionellen Journalismus hier nicht explizit angewendet werden können, weshalb aber einige medienethische Probleme auftreten können. Corporale Blogs stoßen dagegen aus medienethischer Sicht auf das Problem des Mangels an Authentizität und Verstöße gegen die Wahrhaftigkeitsnorm.

In der Blogosphäre finden sich also ganz verschiedene kommunikationsethische Fragen und Konflikte. Und auch wenn es oftmals vergessen wird: das Web 2.0 ist auch aufgrund seiner angeblich revolutionären Technologien keine soziale und damit keine ethisch neue Sphäre in der alle Moral- und Ethikvorstellungen neu betrachtet werden müssten. Auch Klaus Beck meint dazu, dass sich vieles einfach übertragen ließe.

Derzeit werden noch die Frage der Zulässigkeit von Selbstregulierung und die Auseinandersetzung mit konkreten Normen und deren Begründung diskutiert. Die, auch in Becks Text, vorgeschlagenen Normenkodizes sind wenig blogspezifisch und somit wahrscheinlich nur von eingeschränktem Regulierungswert in der Praxis. Die rege Anschlusskommunikation lässt aber erkennen, dass Kodizes ganz wesentlich zur kommunikationsethischen Reflexion beitragen, wobei es aber wohl immer einen Konflikt mit der Meinungsfreiheit geben wird.

Quellen

Klaus Beck: Neue Medien – alte Probleme? Blogs aus medien- und kommunikationsethischer Sicht. In: Zerfaß, A.; Welcker, M. & J. Schmidt (Hrsg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkung im Social Web. Grundlagen und Methoden: Von der Gesellschaft zum Individuum. Köln 2008, 62-77.

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