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Social Networks, Gender and Friending. Eine religionswissenschaftliche Einordnung.

19.02.2009

von Jasmina Türker

Soziale Netzwerke spielen in der heutigen Zeit eine wichtige Rolle des Web 2.0. Sie ermöglichen viele Wege der Kommunikation im Internet, sei es durch Fotos, Videos, Messages oder Blogs. Nimmt man MySpace zum Exempel werden hier viele Möglichkeiten geboten, um sich mit anderen auszutauschen. Eine Freundschaftsliste, die jedem Myspace User zukommt, bildet das Zentrum der virtuellen Beziehungen. Hier kann jeder seinen Freundeskreis erfassen und mit ihm auf unterschiedlichste Weise agieren. Im Folgenden soll eine quantitative Methode erläutert werden, die das Verhalten und die Eigenschaften eines Social Network Users in Bezug auf Freundschaft im Internet aufzeigt. Im Anschluss soll die Methode und auch die Analyse selbst näher betrachtet und dann auf ihre Dienlichkeit hin diskutiert werden.

Portrait: Mike Thelwall

Mike Thelwall stellt in seinem Artikel „Social Networks, Gender and Friending: An Analysis of MySpace Member Profiles“ (Direktverweis auf ein Word-Dokument) die Ergebnisse einer quantitativen Analyse vor, die die Freundschaft in sozialen Netzwerken zum Untersuchungsgegenstand hat. Hierbei bilden die drei wichtigsten zu untersuchenden Eigenschaften „Größe des Freundeskreises“, „Alter“ und „Geschlecht“ eines MySpace Mitgliedes die zentrale Rolle der gesamten Analyse. Eine qualitative Erforschung sei zwar nützlicher, dennoch unterstütze und bestärke eine Quantitative die Einblicke und beschaffe neue Erkenntnisse. Ebenso sei eine quantitative Datenerhebung wesentlich für einen breiteren Überblick für Seitengestalter, Forscher oder Werbeagenturen.

Bevor Thelwall jedoch zur eigentlichen Untersuchung kommt, erklärt er, man könne, nachdem man sich auf einer sozialen Netzwerkseite des Internet (wie beispielsweise MySpace) registriert und dort sein eigenes Profil mit Bild und seinen biografischen Informationen eingerichtet hat, jenes dazu nutzen, um mit anderen Menschen im Internet Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren. Eine Freundschaftsliste, die eine Kategorisierung der angesammelten Freunde zulässt, indem z.B. die acht „besten“ Freunde zuerst angezeigt werden, diene als Ausgangspunkt jeglicher Kommunikation. So haben Freunde meist spezielle Privilegien, wie das Senden von Nachrichten, das Schreiben von Kommentaren zu Bildern oder Blogeinträgen, oder das Verfassen von Gästebucheinträgen. Diese Möglichkeiten bleiben Nicht-Freunden oft verwehrt, da einige Profile nicht öffentlich sind.

Um eine erfolgreiche Profil-Analyse durchführen zu können, wurden die Daten der MySpace Profile automatisch auf folgenden Informationen abgefragt und dementsprechend verwertet:

  • Weist das Profil (u.a. bzgl. Der ID-Adresse) irgendeine Fehlermeldung auf?
  • Ist der Account ein Musikprofil?
  • Ist das Profil ein öffentliches oder privates?
  • Anzahl der registrierten Freunde
  • Datum des letzten Logins
  • Alter
  • Geschlecht
  • Wohnort
  • Ziel des Users (Freundschaftsfindung, Beziehung, Dating)
  • Religion
  • Status (single, verheiratet, geschieden, verlobt etc.)
  • Sexuelle Orientierung (hetero, homo, bi)
  • Volkszugehörigkeit
  • Haltung gegenüber Kindern

Die Datenerhebung schließt sowohl sogenannte „Musikprofile“ als auch „private“ Profile aus. Erstere aufgrund des Unterschieds zu persönlichen Profilen, da Musikprofile ein anderes Ziel verfolgen als das der Freundschaftsfindung, und zweitere aufgrund des mangelnden Datensatzes, da hier einige persönliche Daten für Nicht-Freunde nicht sichtbar sind. Auch jene Profile, die ein oder mehrere Eigenschaften nicht angeben, oder Fehler bezüglich der ID-Adresse aufweisen, fallen aus der Analyse heraus. Das Mindestalter, um bei MySpace mitwirken zu können, beträgt 14 und die Profile für unter 16jährige werden automatisch als privates Profil eingestuft, welche somit ebenfalls nicht interessant für die Vermessung sind.

Die ersten drei Untersuchungen ergaben ein ernüchterndes Ergebnis: Offensichtlich melden sich viele Menschen bei MySpace an, jedoch nutzen sie ihre Profile nicht kontinuierlich. Zusammenfassend beschäftigt sich ein Drittel der angemeldeten Personen regelmäßig, ein Drittel nur gelegentlich und das letzte Drittel nach dem ersten Login gar nicht mehr mit MySpace. Die vierte Untersuchung stellte heraus, dass ein durchschnittliches Mitglied etwa 27 Freunde hat, während jedoch mehr Frauen als Männer eine höhere Anzahl an Freunden aufweisen. Die fünfte Untersuchung zeigt, dass die Anzahl der Freunde mit der verkürzten Login-Zeit steigt. Das sechste Ergebnis legt fest, dass das durchschnittliche Alter in den letzten vergangenen zwei Monaten zum Zeitpunkt der Untersuchung bei 20 liegt, während mehr jüngere Frauen, aber mehr ältere Männer aktive Nutzer waren. Laut der siebten Analyse nimmt die Anzahl der Freunde mit zunehmendem Alter ab. Die achte Untersuchung gibt die Religion des Users an. Hiernach herrscht eine Dominanz der Christen/Andere Kategorie und es besteht eine überraschend kleine Anzahl von Protestanten. Möglicherweise liegt dies daran, dass sich viele User zu der Kategorie der Christen, anstatt der des Protestanten zählen, so Thelwall. Eine Verbindung zwischen Alter und Religion oder Geschlecht und Religion besteht nicht. Die neunte Untersuchung zeigt, dass der Kinderwunsch eines MySpace Mitglieds mit der Anzahl der Freunde steigt und je jünger der Nutzer ist, desto geringer ist der Wunsch danach. Das Ergebnis der zehnten Analyse beschäftigt sich mit dem Ziel bzw. mit der Absicht des Users in Verbindung mit dem Geschlecht. Festgestellt wurde, dass Frauen eher eine Freundschaft bevorzugen und Männer hauptsächlich auf Dates/ Treffen aus sind. Analyse elf ermittelt den Status eines Mitglieds. 66% der Untersuchten sind single, 19% in einer festen Beziehung, 11% verheiratet, 2% Swinger und 2 % geschieden. Auffällig ist hier nach Thelwall, dass nur 2% der User den Status eines Geschiedenen besitzen und es womöglich damit zusammenhängt, dass sich auch Geschiedene dem Status des Singles zugehörig fühlen. Die zwölfte und letzte Untersuchung misst die Volkszugehörigkeit der MySpace Mitglieder. Die Weißen/White erlangen mit 59% die meiste Zugehörigkeit, darauf folgen mit großem Abstand die Latinos mit 14%, die Schwarzen/Black/African mit 12%, Andere/Other mit 7% und die Asiaten mit 6%. Die Native American mit 1% und die Pacific Islander mit 1% bilden das Schlusslicht. Nach Thelwalls Meinung sei auffällig, dass über die Hälfte der Nutzer von Myspace mit öffentlichem Profil keine Volkszugehörigkeit angeben – vielleicht weil es als nicht wichtig empfunden wird oder es „uncool“ ist, solch eine Angabe zu machen.

Nachdem Thelwall die aufgeführten Daten anhand graphischer Unterstützungen erläutert hat, geht er auf die Grenzen dieser quantitativen Analyse ein, bevor er zu seinem Fazit kommt: Einige Daten seien irreführend und die Angaben bezüglich des Alters am wenigsten zuverlässig, da beispielsweise Mitglieder ein falsches Alter angeben. So täuschen manch unter 14jährige ein höheres Alter vor, um überhaupt ein Profil bei MySpace besitzen zu dürfen. Auch ein komplett erfundenes Profil sei eine Möglichkeit der Verfälschung des Datensatzes, da sich einige User eine neue Online-Identität im Gegensatz zum reellen Leben zulegen, während hier das „gender-switching“ eingeschlossen ist. Ebenfalls muss auch beachtet werden, dass der Freundeskreis eines Mitglieds nicht immer aussagekräftig ist, da die Freundesliste einiger User erst mit der Zeit wächst. Als Fazit seiner Untersuchung führt Thellwall den typischen MySpace User an. Er ist nach den zusammenfassenden Ergebnissen der quantitativen Analyse weiblich, 21 Jahre alt, Single, besitzt ein öffentliches Profil, ist an Freundschaften interessiert, loggt sich einmal wöchentlich ein und hat überwiegend weibliche Freunde.

Meine Feststellung nach der Auseinandersetzung mit der Analyse Thelwalls war, dass ich eine kritische Haltung gegenüber qualitativer Methoden eingenommen habe. Mag man auf den ersten Blick einen grob übersichtlich ausgewerteten Datensatz erhalten haben, schließt sich für mich die Frage mit ein: Was bringt mir dieser durchschnittliche Wert und vor allem wie kann ich ihn weiter verwenden? Denn letztendlich bleibt es ein „durchschnittlicher“ Wert und sagt über die einzelnen Bedürfnisse unterschiedlicher User nichts aus. Auf der einen Seite gibt ein solcher Durchschnittsuser einen groben Überblick für Web-Designer oder Werbeforscher, auf der anderen Seite frage ich mich da: werden andere Usergruppen außer Acht gelassen? Wird auf der Startseite von MySpace nun nur noch Werbung für junge Frauenmagazine oder ähnliches eingebettet werden nur weil der Durchschnittsuser weiblich und jung ist? Fest steht, dass unterschiedlichste Usergruppen existieren und deshalb sowohl Werbung für Männer und Frauen, ob jung oder alt, miteinbezogen wird.

Ein zweiter Kritikpunkt ist die Datenerhebung an sich. So wie auch schon Thelwall angeführt hat, dass das angegebene Alter unzuverlässig ist, empfinde ich es ebenso als unbeständig, denn es werden meiner Meinung nach nicht wenige Jungendliche sein, die bei MySpace mitwirken wollen und sich deshalb ein „älteres“ Profil zulegen. Die Verfälschung durch neue Identitäten mögen den geringeren Teil beisteuern. Neben den zahlreich falsch existierenden Profilen werden außerdem alle privaten Profile aus der Untersuchung ausgeschlossen und fehlen somit komplett bei dieser quantitativen Analyse. Hätte man sie miteinbezogen (miteinbeziehen können), wäre man vielleicht zu dem Ergebnis gekommen, dass der durchschnittliche User männlich ist!?! Eine weitere Frage, die sich mir stellt ist: Warum untersucht Mike Thelwall Status, Herkunft, sexuelle Orientierung oder Religionszugehörigkeit der MySpace Mitglieder? Er bindet keine dieser Kriterien in seinen Forschungsbericht mit ein! Wäre die Analyse dann nicht kürzer, unkomplizierter und prägnanter verlaufen? Auch einige Ergebnisse der Untersuchungen waren irreführend und unverständlich: denn was nützt es beispielsweise zu wissen, dass der Kinderwunsch mit der Anzahl der Freunde steigt?

Für einen Religionswissenschaftler wäre eine weiterführende Untersuchung bezüglich einiger hier außer Acht gelassenen Kriterien wie Religionszugehörigkeit oder Herkunft vielleicht interessant gewesen, jedoch so wie die Analyse verlaufen ist, ist sie für uns als solche unbrauchbar. Abgesehen davon fehlt in diesem Forschungsbericht auch eine klar formulierte These. Abschließend kann ich behaupten, dass die Ergebnisse Thelwalls eher ausreichend als zufriedenstellend sind. Bringt er zwar sein Fazit am Ende der Analyse gut auf den Punkt, indem er uns den typischen 21jährigen Myspace-User präsentiert und dabei erklärt, dass Freundschaften mit Frauen innerhalb beider Geschlechter bevorzugt werden, so hat er jedoch vieles einfach übergangen oder auch gar nicht diskutiert. Für mich schlussendlich ein Wirrwarr an zusammen gewürfelten Daten, die in einigen Punkten zwar hilfreich erscheinen, jedoch oft keinen Zusammenhang darstellen und deshalb an Relevanz verlieren. Eine quantitative Analyse bitte nur mit klar formulierter Fragestellung und einem abgesteckten Ziel, ohne unwichtige und ohnehin nicht verwertete „Datenerhaschung“.

Verwendete Literatur:
Thelwall, Mike (2007): Social Network, Gender and Friendling: An Analysis of MySpace Member Profiles.

  1. hgluna
    20.02.2009 um 13:41

    Guter Schluss :-)

  2. jstrube
    24.02.2009 um 14:51

    Den Nutzen einer quantitativen Datenerhebung ohne abgestecktes Ziel würde ich ebenfalls pinzipiell in Frage stellen. Abgesehen von dieser angebrachten Kritik an Thelwalls Aufsatz wäre es aber interessant gewesen, die Frage nach einer religionswissenschaftlichen Einordnung in den Vordergrund zu rücken und zum zentralen Thema zu machen. Inwiefern quantitative Datenerhebungen nämlich ergänzend und sinnvoll verwendet werden können, bleibt in diesem Zusammenhang letztendlich als offene Frage zurück.

  3. 23.01.2010 um 16:34

    Interessanter Bericht und guter Schluss

  4. Mikeharvey
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