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Netzwerke religiöser Menschen

16.02.2009

Die Dynamik von Wissensbeständen und Netzwerken religiöser Traditionen zwischen kollektiver Selbstabgrenzung und individueller Wahl

von Dmitrij Pliner

qualitative-netzwerkanalyse

Der Text von Martin Engelbrecht „Netzwerke religiöser Menschen – Die Dynamik von Wissensbeständen und Netzwerken religiöser Traditionen zwischen kollektiver Selbstabgrenzung und individueller Wahl“ (in: Betina Hollstein, Florian Straus: Qualitative Netzwerkanalyse: Konzepte, Methoden, Anwendungen wurde schon, wie man es aus der Überschrift entnehmen kann, mit dem Ziel verfasst, die Dynamik zwischen Wissensbeständen und sozialen Netzwerken aufzuzeigen. Dabei geht es bei der Forschung um die Verknüpfung von netzwerkanalytischen und wissenssoziologischen Perspektiven. Die Vorgehensweise des Verfassers fängt bei der Skizze der Nutzung der Netzwerkanalyse an. Dann geht er über zur Darstellung der Zusammenhänge zwischen Wissensbeständen und sozialen Netzwerken und zeigt die genannten Methoden anhand der Beispiele „Der Botschafter“ und „Der Wanderer“ auf.

Religionsforschung in Deutschland: Netzwerkanalyse und Analyse von Netzwerken

Bei der Untersuchung religiöser Netzwerke muss man zwischen „Netzwerkanalyse“ und „Analyse von Netzwerken“ differenzieren. In der Religionsforschung in Deutschland ist die Anzahl der Untersuchungen bei denen die „Netzwerkanalyse“ angewandt wurde deutlich geringer als die Anzahl der Untersuchungen mit der „Analyse von Netzwerken“. Die Ursache dafür ist, dass die „Analyse von Netzwerken“ mehr an qualitativen Methoden verfügt, als die „Netzwerkanalyse“. Allgemein gesehen, ist der Einsatz von Methoden bei Netzwerkanalysen sehr rar, weil in der Religionsforschung „social relations“ und „culture“ Gegensätze sind bzw. analog dazu die Religion als Ausdruck von Menschen gelebter sozialer Wirklichkeit oder als handlungsleitendes Ideal angesehen werden kann. Beide Ebenen verbindet die Frage, welche Ebene abhängig und welche unabhängig ist. Es gibt Forscher, die behaupten, dass Religion unabhängig ist, weil man sie außerhalb ihrer sozialen Wirklichkeit und Inhalten erklären kann. Gleichzeitig behaupten andere Forscher, dass Religion abhängig ist, weil sie das Resultat kollektiver religiöser Lehren und individueller Überzeugungen ist. Die richtige Methode müsste beide Ebenen sowohl „culture“ als auch „social relation“ einbeziehen, um die interaktive Dynamik aufzeigen zu können.

Wissenssoziologie vs. Netzwerkanalyse

Für die Betrachtung der Dynamik zwischen Wissensbeständen und Netzwerken werden hier zwei Ansätze angewandt, nämlich der wissenssoziologische Ansatz und die netzwerkanalytischen Perspektive. Der wissenssoziologische Ansatz besagt, dass jede Gesellschaft über ein eigenes Wissenspool verfügt, das durch ihre Institutionen gespeichert, beschützt und verbreitet wird. Dieser Wissensbestand ist welterklärend, sinnstiftend und dadurch handlungsorientiert. Wissensbestände instruieren die Akteure, bestimmen aber ihr Handeln nicht. Die unterschiedlichen Auslegungen basieren auf subjektiven Für die Betrachtung der Dynamik zwischen Wissensbeständen und Netzwerken werden hier zwei Ansätze angewandt, nämlich der wissenssoziologische Ansatz und die netzwerkanalytischen Perspektive. Der wissenssoziologische Ansatz besagt, dass jede Gesellschaft über ein eigenes Wissenspool verfügt, das durch ihre Institutionen gespeichert, beschützt und verbreitet wird. Dieser Wissensbestand ist welterklärend, sinnstiftend und dadurch handlungsorientiert. Wissensbestände instruieren die Akteure, bestimmen aber ihr Handeln nicht. Die unterschiedlichen Auslegungen basieren auf subjektiven Deutungs- und Handlungsfreiraum.

Netzwerkanalytischer Ansatz wird durch den Zusammenhang zwischen Netzwerken und Wissensbeständen beschrieben. Ihre notwendige Interaktion dient zum Vollzug einer Handlung, mit dem Wissensbestand als leitendem Faktor. Die Dynamik entsteht durch die Modifizierung der Wissensbestände. Diese Modifizierung ist das Ergebnis einer Handlung, die durch den Wissensbestand eingeleitet wurde. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis wird im Wissensbestand gespeichert und modifiziert ihn dadurch. Praxis sieht oft anders aus als die Theorie, da die Akteure in ihren sozialen Netzwerken Positionen beziehen, die ihre Handlungsfreiheit einschränken. Deshalb ist nicht alles was denkbar ist, auch umsetzbar.

Ein Fallbeispiel

Um Wissensbestände neudeuten zu können, ist man auf den Kontakt mit anderen Wissensbeständen angewiesen. Da die Wissensbestände sinn- und handlungsstiftend sind, könnte eine Neudeutung auch diese Punkte beeinflussen, deshalb ist der Austausch zwischen religiösen Netzwerken ein schwieriger Akt.

Die Aufgabe der Botschafter ist die Überwindung der “ strukturellen Löcher“ durch das Bauen von Brücken. Botschafter der jeweiligen Netzwerke sollen eine neue Form interreligiöser Kommunikation etablieren, die ohne Bekehrungsversuche und synkretistischer Vermischung der Inhalte auskommt. Die geringe Anzahl der religiösen Botschafter und das große Interesse der Öffentlichkeit an den Dialogen verstärkt die „strukturelle Autonomie“ der Botschafter. Anhand des vorliegenden Beispiels, nämlich einem Verein türkstämmiger Muslime, der im Zuge des christlich – islamischen Dialogs gegründet wurde, wird die Netzwerkanalyse dargestellt. Wissensbestand – Wissensbestand Analyse zeigt die Problematik auf, dass alle türkischen Moscheen einerseits das Konzept der Einheit aller Muslime in Deutschland vertreten, andererseits eine Affinität zu konkurrierenden politischen Strömungen aus der türkischen Innenpolitik haben. Diese Affinität spaltet das Konzept der Zusammengehörigkeit. Netzwerk – Netzwerk Analyse zeigt auf, dass die Frauengruppen über die Löcher, die durch unterschiedliche Ansichten der türkischen Innenpolitik auftauchen, erfolgreich Brücken bauen können und den innerreligiösen Dialog fördern, gleichzeitig fällt das Bauen von Brücken im interreligiösen Dialog gänzlich weg. Wissenstand – Netzwerk Analyse zeigte auf, dass die meisten Moscheen in Deutschland durch türkische Verbände in der Türkei unterstützt und gelenkt werden. Daraus ergibt sich u. a. das nationalgebundene – islamische Konzept, womit sich die meisten türkischstämmigen Moslems identifizieren. Das bedeutet, je religiöser die türkischen Moslems sind, desto weniger fühlen sie sich wohl im christlich geprägten Deutschland. Vor diesem Hintergrund wurde der christlich – islamische Verein gegründet, um den islamischen Glauben vom Nationzugehörigkeitskonzept abzukoppeln, damit man sich als Moslem in Deutschland wohlfüllen kann und Deutschland als die neue Heimat ansehen kann. Dabei muss man sehr feinfühlig und vorsichtig vorgehen, denn es ist ein schmaler Grat zwischen dem legitimierten „Botschafter“ Die Aufgabe der Botschafter ist die Überwindung der “ strukturellen Löcher“ durch das Bauen von Brücken. Botschafter der jeweiligen Netzwerke sollen eine neue Form interreligiöser Kommunikation etablieren, die ohne Bekehrungsversuche und synkretistischer Vermischung der Inhalte auskommt. Die geringe Anzahl der religiösen Botschafter und das große Interesse der Öffentlichkeit an den Dialogen verstärkt die „strukturelle Autonomie“ der Botschafter.

Anhand des vorliegenden Beispiels, nämlich einem Verein türkstämmiger Muslime, der im Zuge des christlich – islamischen Dialogs gegründet wurde, wird die Netzwerkanalyse dargestellt. Wissensbestand – Wissensbestand Analyse zeigt die Problematik auf, dass alle türkischen Moscheen einerseits das Konzept der Einheit aller Muslime in Deutschland vertreten, andererseits eine Affinität zu konkurrierenden politischen Strömungen aus der türkischen Innenpolitik haben. Diese Affinität spaltet das Konzept der Zusammengehörigkeit. Netzwerk – Netzwerk Analyse zeigt auf, dass die Frauengruppen über die Löcher, die durch unterschiedliche Ansichten der türkischen Innenpolitik auftauchen, erfolgreich Brücken bauen können und den innerreligiösen Dialog fördern, gleichzeitig fällt das Bauen von Brücken im interreligiösen Dialog gänzlich weg. Wissenstand – Netzwerk Analyse zeigte auf, dass die meisten Moscheen in Deutschland durch türkische Verbände in der Türkei unterstützt und gelenkt werden. Daraus ergibt sich u. a. das nationalgebundene – islamische Konzept, womit sich die meisten türkischstämmigen Moslems identifizieren. Das bedeutet, je religiöser die türkischen Moslems sind, desto weniger fühlen sie sich wohl im christlich geprägten Deutschland. Vor diesem Hintergrund wurde der christlich – islamische Verein gegründet, um den islamischen Glauben vom Nationzugehörigkeitskonzept abzukoppeln, damit man sich als Moslem in Deutschland wohlfüllen kann und Deutschland als die neue Heimat ansehen kann. Dabei muss man sehr feinfühlig und vorsichtig vorgehen, denn es ist ein schmaler Grat zwischen dem legitimierten „Botschafter“ und einem „Verräter“ der eigenen Sache.

Wanderer

Diese Gefahr besteht bei den „Wanderern“ nicht. Bei den „Wanderern“ handelt sich um Menschen, die religiöse Vorstellungen aus Grosskirchen und anderen Wissensbeständen entnehmen und zu ihrem eigenen Weltbild zusammenfügen. Im Gegensatz zu den „Botschaftern“, deren Wissensbestände und Netzwerke eine strickte Abgrenzung nach Außen vorweisen, führt die Untersuchung der Netzwerke und Wissensbestände der „Wanderer“ zum Ergebnis, dass sie sehr individuell von den „Wanderern“ genutzt werden. Gleichzeitig kann man die Konzepte der Benutzung der Netzwerke aus den Wissensbeständen von „Botschaftern“ und „Wanderern“ ableiten.

Die „Wanderer“ beteiligen sich selten an interreligiösen Dialogen, im Gegensatz zu den Botschaftern, weil die „Wanderer“ das Konzept, dass man nur übereinander lernen kann und nicht von einander, ablehnen. Dieses Beispiel zeigt uns auf, dass Wissensbestände und Netzwerke in ihrer interaktiven Dynamik sehr miteinander verflochten sind. Man kann also keine sinnvolle qualitative Untersuchung des Die „Wanderer“ beteiligen sich selten an interreligiösen Dialogen, im Gegensatz zu den Botschaftern, weil die „Wanderer“ das Konzept, dass man nur übereinander lernen kann und nicht von einander, ablehnen. Dieses Beispiel zeigt uns auf, dass Wissensbestände und Netzwerke in ihrer interaktiven Dynamik sehr miteinander verflochten sind. Man kann also keine sinnvolle qualitative Untersuchung des Einen, unter der Ausblendung des Anderen durchführen.

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