Online, Offline oder beides? Das methodologische Problem einer Ethnographie in virtuellen Welten
von Markus Bessler
Durch die Entstehung des World Wide Web (www) in den Neunziger Jahren wurde das Internet für privaten Nutzen kommerzialisiert. Dies war die ausschlaggebende Ursache, sowohl für seine Massenverbreitung, als auch für die enorm schnelle Entwicklung der Technologie. Parallel zu der Massenverbreitung des Internets kamen ebenfalls in den Neunzigern die ersten modernen Online-Rollenspiele auf. Durch die im Laufe der Jahre immer schneller werdenden Netzverbindungen bieten sich dem Internet ständig neue und erweiterte Einsatzmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Benutzung des globalen Netzes als Plattform für Spiele. In den letzten Jahren erfreuten sich virtuelle Welten immer größerer Beliebtheit, wie man beispielsweise an den enormen Mitgliederzahlen in Second Life erkennen kann. Laut Bardzell und Odom waren im Jahre 2008 über Achtmillionen Konten registriert, von denen zu jeder Zeit ungefähr Fünfzigtausend Nutzer gleichzeitig „inworld“ waren.
Second Life ist eine spielähnliche virtuelle Welt, die von mehreren Nutzern gleichzeitig benutzt werden kann, eine sogenannte Multiuser Virtual Environment (MUVE). 2003 kam es auf den Markt und seit 2006 fand es große Zustimmung in den Medien. Im Vordergrund stehen dabei die Interaktion, die Kommunikation und der Handel mit anderen Avataren. Im Gegensatz zu Online-Spielen, wie zum Beispiel World of Warcraft, hat Second Life kein vorgegebenes Ziel und ein offenes Ende.
Die Popularität des Internets und das dadurch aufgekommene Interesse an virtuellen Welten fordert eine passende Methode für die ethnologische Untersuchung dieser Online-Bereiche. Die steigende Anzahl der Nutzer brachte auch bestimmte Herausforderungen für den Forscher mit sich. Die Aufgabe dieses Essays ist es eine passende Forschungsmethode darzustellen.
Aufgrund der unzähligen Möglichkeiten die das Internet bietet, sollte meines Erachtens bei einer Untersuchung des Internets der Gegenstandsbereich eingegrenzt werden. Ich werde mich deshalb bei der Ausarbeitung einer geeigneten Methode auf die Untersuchung von virtuellen Welten beschränken und speziell auf Second Life. Zuerst werde ich der Frage nachgehen, welcher Forschungsfokus geeignet und sinnvoll für diese Art der Forschung ist. Mein Augenmerk werde ich auf die Online-Ethnographie legen und versuchen darzustellen, dass eine reine Online-Untersuchung möglich und durchaus legitim ist. Ob diese Art der Forschung auch für die Untersuchung von virtuellen Welten (Second Life) nützlich ist, werde ich anschließend erarbeiten. Schließlich soll aufgezeigt werden, dass bei einer Online-Ethnographie die Teilnehmende Beobachtung eine sehr hilfreiche Methode ist und somit die Forschung im Internet ein rechtmäßiger Teil der ethnologischen Untersuchungen ist. Weiterlesen…

nke, dass eine online Welt wie Second Life als eine eigene Kultur erforscht werden kann.
Der Anthropologe
Genau mit dieser Methodik hat sich
Couldry, der einen PhD in Media and Communications erworben hat und der sich primär mit Fragen um die Verbindung von Medien und Macht auseinandersetzt, will den Leser in den Diskurs um Medienrituale einführen. Couldry erklärt, dass wir in einer mediatisierten Gesellschaft leben, in der bereits die simple Existenz „der Medien“ einen gewissen Einfluss ausübt, in der es einen rituellen Modus von Kommunikation gibt und dementsprechend auch eine rituelle Ebene bzw. Dimension bei Medienprozessen existiert.


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