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Archiv für Februar 2009

So verschieden können Blogs sein! – “Brightsblog” vs. “Himmel und Erde”

von Hannah Grünenthal

Nachdem ich mich in meinem vorigen Essay mit der Theorie des Analysemodells für Praktiken des Bloggens nach Jan Schmidt beschäftigt habe, werde ich in diesem Essay andeuten, wie es praktisch angewandt werden kann. Ich habe zwei religionswissenschaftlich interessante Blogs als Beispiele zur Anwendung ausgewählt, die ich zunächst kurz vorstellen möchte:

brightsblog.wordpress.com

brightsblog.wordpress.com ist der Blog der Brights. Hier eine kurze Beschreibung des Blogs: Der Blog wird von den „Brights“ geführt. Was ist ein Bright?

A bright is a person who has a naturalistic worldview. A bright’s worldview is free of supernatural and mystical elements. The ethics and actions of a bright are based on a naturalistic worldview.

Auf diesem Blog werden Artikel verlinkt, die im weiteren Sinne Religion zum Thema haben. Im weiteren Sinne deshalb, weil einerseits der Begriff „Religion“ weit gefasst ist und andererseits das Thema Religion oft nur am Rande eine Rolle spielt. Die Artikel an sich sind oft pro-Religion geschrieben, da sie aus religiösen Online-Journalen oder Blogs entnommen sind. In den Kommentaren werden die „Schwachpunkte“ aufgezeigt, also aufgezeigt, wo aufgrund religiöser Vorannahmen oder Argumentationen „falsche“ Schlussfolgerungen gezogen wurden.

Religionswissenschaftlich interessant ist der Blog der Brights, da hier vor allem religiöse Themen besprochen und diskutiert werden, und zwar aus „atheistischer“, das heißt in diesem Fall fast ausschließlich anti-religiöser, Sicht. Weiterlesen…

Zur religionswissenschaftliche Relevanz von Videoportalen am Beispiel von Kathtube

von Sophie Roll

In diesem Ausflug zu religiös motivierten Videoclips im Netz habe ich mich entschieden meine Beispiele auf eine „Video sharing website“ , nämlich Kathtube, zu beschränken. Ich möchte hieran zeigen, dass das Spektrum für religionswissenschaftlich relevante Inhalte dieser Videobotschaften auch innerhalb einer Gemeinschaft vielfältig sein kann und natürlich, dass Informationen, welche die Mitglieder dort Teilen für uns als (angehende) Religionswissenschaftler interessant sind. Weiterlesen…

Möglichkeiten ethischer Entscheidungsfindung im Internet

von Christian Deisenroth

“The needs of the many outweigh
the needs of the few or the one.”

Mr. Spock in Star Trek: The Wrath of Khan

Als Forscherin wird man immer wieder vor Probleme gestellt, für deren Lösung es keine Regeln gibt. Es existiert keine allgemeingültige „Checkliste“, mit der es möglich wäre, immer die „richtige“ Entscheidung zu treffen. Dieser Moment der Entscheidung, der nach Lévinas immer im Bereich der Unentscheidbarkeit liegen muss, ist es, der uns zu dem Problem der Ethik führt.

In vielen Disziplinen, von den Naturwissenschaften bis hin zu den Kulturwissenschaften, machten und machen sich Forscherinnen Gedanken über Forschungsethik. In diesem Essay werde ich mich dem Thema Forschungsethik im Internet zuwenden. Dabei wird am Ende kein Leitfaden für ethische Entscheidungsfindung stehen; vielmehr will ich versuchen das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, um so eine Diskussionsgrundlage zu liefern.

In einem ersten Schritt werde ich die Ethik Emanuel Lévinas’ betrachten, um darzustellen, dass eine allgemeingültige Ethik nicht existiert. In dem nächsten Schritt soll dann exemplarisch der Frage nach den juristischen Gesichtspunkten nachgegangen werden, da anhand rechtlicher Bestimmungen der Forscherin Grenzen gesetzt, aber auch Entscheidungen abgenommen werden. Bevor ich zu einem Fazit komme, werde ich noch kurz den Leitfaden für Internetforscherinnen von Charles Ess und der Association of Internet Researchers erwähnen. Weiterlesen…

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Ethik und Weblogs

von Maria Danziger

kbeck

Warum treten so viele Schwierigkeiten auf, wenn es um einen Ethikkodex im Weblog geht? Ist denn das Medium Weblog wirklich so anders und benötigt komplett neue Ethikregeln? Oder widerspricht ein Ethikkodex im Blog nicht sogar der Meinungsfreiheit?

Um die ethischen Problem im Blog zunächst einmal näher zu analysieren, möchte ich, wie auch Prof. Klaus Beck in seinem Text „Neue Medien – alte Probleme? Blogs aus medien- und kommunikationsethischer Sicht“, auf den ich mich im Folgenden beziehe, zunächst drei verschiedene Blogtypen unterscheiden:

  1. das persönliche Online-Journal oder –Tagebuch
  2. laien-/journalistische Blogs
  3. Corporale Blogs

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Social Networks, Gender and Friending. Eine religionswissenschaftliche Einordnung.

von Jasmina Türker

Soziale Netzwerke spielen in der heutigen Zeit eine wichtige Rolle des Web 2.0. Sie ermöglichen viele Wege der Kommunikation im Internet, sei es durch Fotos, Videos, Messages oder Blogs. Nimmt man MySpace zum Exempel werden hier viele Möglichkeiten geboten, um sich mit anderen auszutauschen. Eine Freundschaftsliste, die jedem Myspace User zukommt, bildet das Zentrum der virtuellen Beziehungen. Hier kann jeder seinen Freundeskreis erfassen und mit ihm auf unterschiedlichste Weise agieren. Im Folgenden soll eine quantitative Methode erläutert werden, die das Verhalten und die Eigenschaften eines Social Network Users in Bezug auf Freundschaft im Internet aufzeigt. Im Anschluss soll die Methode und auch die Analyse selbst näher betrachtet und dann auf ihre Dienlichkeit hin diskutiert werden.

Portrait: Mike Thelwall

Mike Thelwall stellt in seinem Artikel “Social Networks, Gender and Friending: An Analysis of MySpace Member Profiles” (Direktverweis auf ein Word-Dokument) die Ergebnisse einer quantitativen Analyse vor, die die Freundschaft in sozialen Netzwerken zum Untersuchungsgegenstand hat. Hierbei bilden die drei wichtigsten zu untersuchenden Eigenschaften „Größe des Freundeskreises“, „Alter“ und „Geschlecht“ eines MySpace Mitgliedes die zentrale Rolle der gesamten Analyse. Eine qualitative Erforschung sei zwar nützlicher, dennoch unterstütze und bestärke eine Quantitative die Einblicke und beschaffe neue Erkenntnisse. Ebenso sei eine quantitative Datenerhebung wesentlich für einen breiteren Überblick für Seitengestalter, Forscher oder Werbeagenturen. Weiterlesen…

Analyseraster für Webseiten

von Anke Drewitz

Bereits im Essay Online-Journale als religionswissenschaftliche Quelle? wird eine Problematik angesprochen, mit der sich Religionswissenschaftler bei der Internetforschung auseinandersetzen müssen. Um die Präsenz von Religion im Internet zu analysieren wird von ihnen fächerübergreifendes, multimethodisches Vorgehen gefordert, welches sie sich in der Regel erst aneignen müssen. In Heidelberg haben sich Wissenschaftler die Frage gestellt, wie dieses Vorgehen in der Praxis aussehen könnte. Welche Methoden müssen in ein religionswissenschaftliches Analyseraster für Webseiten einfließen, bestehen Wechselwirkungen zwischen der technischen und der inhaltlichen Ebene und was muss bezüglich der Archivierung der Online-Quellen beachtet werden? Aus diesen Überlegungen entstand ein „Analytical tool for Cultural Studies Online“ (Heidbrink, Miczek, Radde-Antweiler, Wessel; in Vorbereitung). Dieses Analyseraster ist in unterschiedliche Bereiche gegliedert. Die Bereiche betreffen die reinen Daten, den Inhalt und die Arbeitspraxis des Forschers.
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Netzwerke religiöser Menschen

16.02.2009 1 Kommentar

Die Dynamik von Wissensbeständen und Netzwerken religiöser Traditionen zwischen kollektiver Selbstabgrenzung und individueller Wahl

von Dmitrij Pliner

qualitative-netzwerkanalyse

Der Text von Martin Engelbrecht “Netzwerke religiöser Menschen – Die Dynamik von Wissensbeständen und Netzwerken religiöser Traditionen zwischen kollektiver Selbstabgrenzung und individueller Wahl” (in: Betina Hollstein, Florian Straus: Qualitative Netzwerkanalyse: Konzepte, Methoden, Anwendungen wurde schon, wie man es aus der Überschrift entnehmen kann, mit dem Ziel verfasst, die Dynamik zwischen Wissensbeständen und sozialen Netzwerken aufzuzeigen. Dabei geht es bei der Forschung um die Verknüpfung von netzwerkanalytischen und wissenssoziologischen Perspektiven. Die Vorgehensweise des Verfassers fängt bei der Skizze der Nutzung der Netzwerkanalyse an. Dann geht er über zur Darstellung der Zusammenhänge zwischen Wissensbeständen und sozialen Netzwerken und zeigt die genannten Methoden anhand der Beispiele “Der Botschafter” und “Der Wanderer” auf.
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Rezeptionsgeschichte als methodischer Zugang zum Web 2.0

von Torben Bellinghoff

Dieser Essay möchte aufzeigen, inwieweit das – ursprünglich in der Literaturwissenschaft von Hans Robert Jauß (1921-1997) postulierte – Konzept von “Rezeptionsgeschichte(n)” für eine religionswissenschaftliche Beschäftigung mit dem sogennanten “Web 2.0″ nutzbar gemacht werden kann.

Hans Robert Jauss

Zunächst einmal ist dafür zu klären, was sich hinter dem Begriff der Rezeptionsgeschichte verbirgt. Im Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie findet sich folgende Defintion:

Rezeptionsgeschichte (…) ist die Verlagerung der Aufmerksamkeit im Prozeß literarischer Kommunikation vom Autor oder Text auf den Leser. Literatur wird nicht länger im vermeintlich überzeitlich fixierbaren Objekt des Textes verortet, sondern als Kommunikationsprozeß aufgefaßt, in welchem dem Leser eine wichtige, ja konstitutive Rolle zukommt.

Oder anders ausgedrückt: Literaturwissenschaft betreiben hieß bis in die späten sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts – d.h. bis zu Jauß Konstanzer Antrittsvorlesung Literaturgeschichte als Provokation der Literaturwissenschaft im Jahre 1967 – vornehmlich die Beschäftigung mit Texten und deren Autoren, einem imaginierten, intendierten oder gar realen Leser fiel in der Regel lediglich die Rolle einer Marginalie anheim (siehe auch: Homepage der Universität Duisburg-Essen). Jauß, der schon damals seine Theorie als Paradigmenwechsel innerhalb der Literaturwissenschaft verstanden wissen wollte, gibt in dieser Antrittsvorlesung einen kurzen Abriß zur Etymologie und zum historischen Bedeutungswandel des Begriffs der Rezeption, bevor er zu seinen Hauptaussagen kommt, die er ebenso programmatisch in Die Theorie der Rezeption aus dem Jahre 1987 in folgender Ausführung zusammenfasst:

“Sie (Die Rezeptionsästhetik) fordert, die Geschichte der Literatur und der Künste nunmehr als einen Prozeß ästhetischer Kommunikation zu begreifen, an dem die drei Instanzen von Autor, Werk und Empfänger (…) gleichermaßen beteiligt sind. Das schloß ein, den Rezipienten als Empfänger und Vermittler, mithin als Träger aller ästhetischen Kultur, endlich in sein historisches Recht einzusetzen (…)”
(Quelle: Jauß 1987, S.5)

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Wissenschaftsblogs

von Anke Drewitz

Professor

Wissenschaftliche Blogs – relevant für Studenten? Eine nicht-repräsentative Umfrage unter Kommilitonen an der Bremer Uni ergab eine überwiegende Unkenntnis über Existenz, Sinn und Unsinn dieser speziellen Art des Weblogs. Mir stellt sich angesichts dieser Tatsache die Frage, wer die bis zu 24 000 Besucher der ca. 300 derzeit bundesweit existierenden wissenschaftlichen Blogs sind. Ein Blick auf diverse Seiten ergibt ein ziemlich heterogenes Spektrum. In den Blogs lesen und kommentieren Wissenschafter aus demselben Fachgebiet des Blog-Autors, interessierte Laien, fachfremde Wissenschaftler, Wissenschaftszweifler u.v.m. So vielfältig die Art der Besucher ist, so unterschiedlich sind auch die Blogauftritte. Unter dem Stichwort “Wissenschaftsblog” findet man Autoren, die ihre Leserschaft auf humoristische Art und Weise mit Anekdoten aus dem Universitätsalltag unterhalten, andere präsentieren ausführlich und mit Fachvokabeln gespickte Forschungsarbeit, wieder andere kommentieren aktuelle wissenschaftliche Neuigkeiten. Was derzeit als Wissenschaftsblogs präsentiert wird, ist nach Art und Inhalt eher uneinheitlich. Diese Tatsache trägt möglicherweise momentan noch dazu bei, dass auch Studierende nicht wissen, wie mit diesen Blogs umgegangen werden kann. Ist das Ganze als interessanter Zeitvertreib anzusehen oder nutzt das gezielte Lesen von wissenschaftlichen Blogs im Studium? Kann ich das Wissen aus Blogs überhaupt als gesichert übernehmen oder wie ist mit Einträgen und Kommentaren gewinnbringend zu verfahren?

Um Funktionen und Grenzen wissenschaftlicher Blogs besser einzuschätzen, ist es hilfreich, sich die bestehende Wissenschaftskommunikation anzuschauen. Sie funktioniert bislang durch Publikationen in Büchern und Fachzeitschriften und durch Berichte und Kommentare der Wissenschaftsjournalisten über diese Veröffentlichungen. Durch wissenschaftliche Blogs entsteht eine dritte Möglichkeit, Wissenschaftskommunikation zu realisieren. Sie könnten als Instrument fungieren, mit dessen Hilfe aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen ohne Umweg über journalistische Vermittler, einer größeren Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt werden. Außerdem ermöglichen sie eine schnelle Kommunikation innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft. Diesen wissenschaftlichen Dialog halte ich für die zentrale Funktion von Wissenschaftsblogs. Die beiden anderen Bereiche, die Wissenschaftspublikation und der Wissenschaftsjournalismus, sollten meiner Ansicht nach nicht in das Aufgabenfeld der Wissenschaftsblogs fallen. Warum Blogs mir für den Dialog sowohl innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, als auch außerhalb am geeignetsten erscheinen, soll durch die folgenden Beschreibungen verdeutlicht werden.
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Online-Journale als religionswissenschaftliche Quelle?

von Till Hagen Peters

Das Internet und die mit ihm neu entstandenen Möglichkeiten der Kommunikation und Selbstdarstellung (Stichwörter “Web 2.0″ und “Social Software”) stellen für die Religionswissenschaft einen schier grenzenlosen Informationsbestand für die Erforschung kontemporärer Glaubensüberzeugungen dar. Folgt man den Ausführungen von Jan Schmidt in seinem Buch “Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie” von 2006, dann könnten Online-Journale (Online-Tagebücher) als eine bestimmte Kategorie von Weblogs (Blogs) für die Religionswissenschaft von besonderem Interesse sein.

Denn Online-Journale enthalten persönliche Eindrücke, Gedanken und die Beschreibung von Erlebnissen, denen man laut Jan Schmidt ein überaus hohes Maß an Authentizität zusprechen kann. Online-Journale, die spezifische religiöse Themen enthalten, scheinen demzufolge eine praktische und einfach zu erreichende Quelle sein, um die gelebten und wirklich geglaubten Überzeugungen einzelner Personen und Gruppen zu bestimmen.

Im Folgenden wird die Frage gestellt, ob Online-Journale tatsächlich ein Medium darstellen, mit denen eine Rekonstruktion religiöser Wirklichkeiten auf unkomplizierte Weise gelingen kann. Zur Beantwortung dieser Frage werden die strukturellen Elemente und Besonderheiten von Online-Journalen dargestellt, welche Jan Schmidt durch seine Untersuchungen erarbeitet hat.

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