02
Aug
09

„Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen“? Reaktionen zwischen Zustimmung, Skepsis und Ablehnung

von Jörn Brunke und Sina Gogolok

Das Forschungsprojekt – Anders als geplant

Zur Erinnerung: Wir zogen aus, um im Rahmen der Lesung  des Ferkelbuches auf dem „Heidenspass-Festival“ der Gegenveranstaltung zum 32. DEKT in Bremen Reaktionen einzufangen und die Akzeptanz des Buches als atheistischen Erziehungsbeitrag auszuloten. Hierfür wollten wir außer der teilnehmenden Beobachtung fokussierte Interviews mit Kindern durchführen und mit der Kamera aufzeichnen.

Die ursprüngliche Forschungsfrage war, wie die Kinder selbst auf das kontrovers diskutierte Ferkelbuch reagieren bzw. ob es diese Zielgruppe überhaupt erreicht. Dieser Aspekt schien uns bei der Indizierungsdebatte zu kurz gekommen. Desweiteren erhofften wir uns Erkenntnisse über das atheistische Milieu, das ja derzeit dabei ist sich politisch zu organisieren.

Aber leider, wie schon von den Kollegen der Gruppe 1 berichtet, gab es kaum Besucher und noch weniger Kinder im Feld. Die einzige Gruppe von Kindern im Alter von ca. zwei bis fünf Jahren wurde bedauernswerterweise von wenig kooperativen Aufsichtspersonen überwacht, die trotz penetranter Bettelei ihre Schützlinge nicht in den Dienst der Wissenschaft stellen lassen wollten. So änderten wir das Vorgehen (und damit auch die Fragestellung) dahingehend, das wir mit unserem Ansichtsexemplar des Ferkelbuches jeden interviewten, der sich auf dem Festivalgelände fand und sich dazu bereit erklärte. So kamen sieben Interviews (drei davon Gruppeninterviews) zustande, wie in unserem zweiten Essay nachzulesen war.

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29
Jul
09

„Wenn ich in den Himmel komme, kriegt Gott einen Arschtritt!“

von Sandra Ahnen, Ahmed Al-Rashed, Lena Schad

„Meine Seele ist Frei!…“ und „Gott ist mein Licht…“ begrüßte uns am frühen Nachmittag die Musik auf dem Heidenspaß-Festival. Nein, es waren natürlich nicht die „Heiden“. Der Kirchentag als Nachbar war nicht zu überhören und übertönte in seiner Lautstärke einfach alles, was das Heidenspaß-Festival zu diesem Zeitpunkt zu bieten hatte.

Als wir das Schlachthofgelände betraten, waren wir uns zunächst nicht ganz sicher, ob das im voraus so provokant angekündigte Programm überhaupt schon begonnen hatte. Aufgrund der aggressiven Werbung der Organisatoren im Internet und der eindeutig anti-religiösen  Haltung der Plakate, hatten wir eine extrovertierte Atheistenfront erwartet. Tatsächlich aber saßen im Vorgarten des Schlachthofes auf Biergartenmöbeln vereinzelte Grüppchen, die Bier tranken und Waffeln aßen. Das Wetter war außergewöhnlich gut und schien nicht nur unsere, sondern auch die Stimmung der Besucher positiv zu beeinflussen.

Die so genannte Kinderparty war jedoch spärlich besucht. Obwohl die Band St. Pauli Rock n Roll Kids unter freiem Himmel eine gute und durchaus „niedliche“ Show lieferten, waren im besten Fall eine Hand voll Kinder dort.

Zwischen den Programmpunkten wie der Kinderparty und dem Vortrag zur Kirchenfinanzierung suchten wir unsere Interviewpartner. Insgesamt haben wir sechs fokussierte Interviews geführt, von denen wir die drei interessantesten vorstellen.

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26
Jul
09

Reflexion der Forschungsarbeit zum Thema Pro-Reli Initiative und die Form von Religionsunterricht auf dem DEKT

von Claas Fraedrich, Dimitrios Kotrotsos und Olaf Schlepegrell

Wir sind drei Studenten der Religionswissenschaft, davon zwei Religionspädagogen, aus dem Seminar „Mensch, wo bist Du? Religionswissenschaftliche Perspektiven auf das Event „Deutscher ev. Kirchentag“ und werden hier unsere Erfahrung zu unserer ersten Feldforschung vorstellen.

Auf das Thema unserer Arbeit sind wir wegen unseres beruflichen Studienschwerpunktes und unserer Berufsperspektive gekommen.

Zuallererst mussten wir uns für ein Thema entscheiden, um unsere Forschungsfrage zu entwickeln. Feldforschung war für uns alle Neuland und haben deshalb unsere erste Forschungsfrage “Was halten Sie von der Pro – Reli – Initiative und der Entscheidung in Berlin?“ zu weit gestellt. Unser brain-storming hatte zwei Richtungen fokussiert, zum einen Themen, die uns das Programm zum Kirchentag vorgab, zum anderen unser persönliches Interesse. notizen_gruppe4Wie schon im Titel unserer ersten Forschungsfrage enthalten, wollten wir Bezug nehmen auf die Debatte in Berlin zum Religionsunterricht . Als Gruppe informierten wir uns über die Diskussion in Berlin zur Pro-Reli Initiative bei Spiegel Online und Zeit.de.Wir hatten Hoffnung, dass unsere Recherche sich positiv auf die Interviewverläufe auswirkt. Wir nahmen an, dass unsere Interviewees über die in Berlin geführte Debatte informiert sind. Unsere eigene Vorbereitung hätte dann den Interviews mehr Tiefe gegeben, da wir inhaltlich gut vorbereitet wären. Es stellte sich aber heraus, dass unsere Vorbereitung in keinem Interview gefordert war. Hätten wir mehr Erfahrung in Feldforschung gehabt, hätten wir das brain-storming noch enger gefasst und wir hätten effektiver recherchiert.

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23
Jul
09

„Feierabendmahl – Mensch, wie geht das ?“

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von Elisabeth Budig und Urszula Hecht

„Mensch, worum geht es?“

Das Feierabendmahl  war Gegenstand unsere Feldforschung. Dieses Thema begegnete uns in dem Seminar von Frau  Radde-Antweiler „Mensch, wo bist du? -Religionswissenschaftliche Perspektiven auf das Event „Deutscher
ev. Kirchentag.“
Die Frage die sich erhob war, ob alle evangelischen Glaubensgemeinschaften an diesem Feierabendmahl teilnehmen würden. Daraus entwickelten wir als Gruppe folgende Forschungsfrage:

„Warum feiern einige Gemeinden das Feierabendmahl im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentages, andere Gemeinden aber nicht?“

In unserem Essay „Untersuchung zum Feierabendmahl auf dem Kirchentag in Bremen“ haben wir die Fragen und die Methodenwahl vorgestellt.
Auch in unserem zweiten Artikel beschrieben wir ausführlich die Eindrücke, die wir während der Interviews und der Teilnahme am Feierabendmahl sammeln konnten.

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20
Jul
09

Reflexion von religiöser Verantwortlichkeit gegenüber dem Klimawandel

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von Maria Danziger

Während meines Feldforschungsprojektes zum Thema Klimawandel auf dem ev. Kirchentag 2009 in Bremen , welches ich bereits in meinen vorhergehenden Essays (1 und 2) vorgestellt habe , versuchte ich meine Forschungsfrage „Fühlt sich ein gläubiger Mensch verantwortlich für die immer häufiger auftretenden Klimakatastrophen?“ zu beantworten.
Dazu plante ich zunächst auf dem Kirchentag einige problemzentrierte Interviews, sowie eine teilnehmende Beobachtung, durchzuführen. In der Durchführung zeigte sich dann bereits, dass mir die Interviews bei weitem hilfreicher waren, um auf ein Ergebnis zu kommen.

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17
Jul
09

„Mensch, warum kommst du?“ Ergebnisse der Feldforschung zur Motivation der Kirchentagsbesucher

von Susanne Morgenstern und Julia Zill

Der Rückblick:

Für all diejenigen, die unsere ersten beiden Essays ([1] [2]) nicht gelesen haben, gibt es an dieser Stelle einen kleinen Rückblick über unser Forschungsvorhaben, unseren Untersuchungsgegenstand, unsere Forschungsfragen und unsere Methoden:

Im Rahmen des Seminars: Mensch, wo bist du? Religionswissenschaftliche Perspektive auf das Event „Deutscher evangelischer Kirchentag“, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, eine Feldforschung auf dem diesjährigen Kirchentag in Bremen durchzuführen. Da eine komplette Analyse des gesamten Feldes eindeutig zu umfangreich gewesen wäre, haben wir uns als Untersuchungsgegenstand den Eröffnungsgottesdienst am Mittwoch, den 20.05.2009 auf der Bürgerweide ausgesucht. Zur Befragung der Leute, die diesen Gottesdienst besuchten, haben wir uns vor ab zwei Fragen überlegt, eine allgemeine zum Kirchentag und eine direkt zum Eröffnungsgottesdienst selbst. Für die Durchführung haben wir folgende Methoden verwendet: in einer teilnehmenden Beobachtung benutzten wir sowohl Fragebögen, als auch fokussierte Interviews. Im Folgenden werden wir Euch nun die Ergebnisse der gerade zusammengefassten Feldforschung präsentieren.

Die Auswertung Teil I:

Insgesamt haben wir 14 Besucher befragt, davon haben uns elf Personen unseren vorgefertigten Fragebogen beantwortet und drei Personen haben mit uns ein fokussiertes Interview durchgeführt. Die genaue Zusammensetzung sieht folgendermaßen aus:

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22
Jun
09

Online, Offline oder beides? Das methodologische Problem einer Ethnographie in virtuellen Welten

von Markus Bessler

medienethnologie

Durch die Entstehung des World Wide Web (www) in den Neunziger Jahren wurde das Internet für privaten Nutzen kommerzialisiert. Dies war die ausschlaggebende Ursache, sowohl für seine Massenverbreitung, als auch für die enorm schnelle Entwicklung der Technologie. Parallel zu der Massenverbreitung des Internets kamen ebenfalls in den Neunzigern die ersten modernen Online-Rollenspiele auf. Durch die im Laufe der Jahre immer schneller werdenden Netzverbindungen bieten sich dem Internet ständig neue und erweiterte Einsatzmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Benutzung des globalen Netzes als Plattform für Spiele. In den letzten Jahren erfreuten sich virtuelle Welten immer größerer Beliebtheit, wie man beispielsweise an den enormen Mitgliederzahlen in Second Life erkennen kann. Laut Bardzell und Odom waren im Jahre 2008 über Achtmillionen Konten registriert, von denen zu jeder Zeit ungefähr Fünfzigtausend Nutzer gleichzeitig „inworld“ waren.

Second Life ist eine spielähnliche virtuelle Welt, die von mehreren Nutzern gleichzeitig benutzt werden kann, eine sogenannte Multiuser Virtual Environment (MUVE). 2003 kam es auf den Markt und seit 2006 fand es große Zustimmung in den Medien. Im Vordergrund stehen dabei die Interaktion, die Kommunikation und der Handel mit anderen Avataren. Im Gegensatz zu Online-Spielen, wie zum Beispiel World of Warcraft, hat Second Life kein vorgegebenes Ziel und ein offenes Ende.

Die Popularität des Internets und das dadurch aufgekommene Interesse an virtuellen Welten fordert eine passende Methode für die ethnologische Untersuchung dieser Online-Bereiche. Die steigende Anzahl der Nutzer brachte auch bestimmte Herausforderungen für den Forscher mit sich. Die Aufgabe dieses Essays ist es eine passende Forschungsmethode darzustellen.

Aufgrund der unzähligen Möglichkeiten die das Internet bietet, sollte meines Erachtens bei einer Untersuchung des Internets der Gegenstandsbereich eingegrenzt werden. Ich werde mich deshalb bei der Ausarbeitung einer geeigneten Methode auf die Untersuchung von virtuellen Welten beschränken und speziell auf Second Life. Zuerst werde ich der Frage nachgehen, welcher Forschungsfokus geeignet und sinnvoll für diese Art der Forschung ist. Mein Augenmerk werde ich auf die Online-Ethnographie legen und versuchen darzustellen, dass eine reine Online-Untersuchung möglich und durchaus legitim ist. Ob diese Art der Forschung auch für die Untersuchung von virtuellen Welten (Second Life) nützlich ist, werde ich anschließend erarbeiten. Schließlich soll aufgezeigt werden, dass bei einer Online-Ethnographie die Teilnehmende Beobachtung eine sehr hilfreiche Methode ist und somit die Forschung im Internet ein rechtmäßiger Teil der ethnologischen Untersuchungen ist. weiterlesen ‘Online, Offline oder beides? Das methodologische Problem einer Ethnographie in virtuellen Welten’

20
Jun
09

Zu den Methoden der Virtuellen Ethnographie

von Philipp Rath

medienethnologie

Die Ethnographie hat sich seit ihren Anfängen, als eine anthropologische Methode zur Erforschung verschiedenster, meist exotischer Kulturen, sehr verändert. Die Verbreitung der Massenmedien innerhalb unserer Gesellschaft, vorallem der Siegeszug des Internets, stürzte die Ethnographie in eine Sinnkrise. Nach Aussage von Christine Hine, bestand die traditionelle Betonung innerhalb der Ethnographie, welches sich auf das Forschungsfeld bezieht, zumeist auf einen physisch begrenzten Ort. Dieses beinhaltete durchaus wichtige Implikationen für die Fabrikation von ethnographischen Objekten. Die Tendenz, das Forschungsfeld als eine Ort zu betrachten, zu dem man sich begeben kann, verstärkt die Idee, das Kultur als etwas verstanden wird, was innerhalb eines begrenzten und physischen Ortes existiert.  Die Frage , die sich mir im Rahmen dieser ethnographischen Sinnkrise stellte ist, ob man das Internet und vorallem die online Welt Second Life als eine eigenen Kultur ansehen sollte und deshalb “in its own terms” erforscht werden kann? Ich denke, dass eine online Welt wie Second Life als eine eigene Kultur erforscht werden kann.

Ein sehr zentrales Problem, welches die Ethnographie im Zusammenhang mit “Virtual Worlds” erfährt ist die Frage nach ihrer Authenzität. Was  Christine Hine auch in ihrem Buch Virtual Ethnography anspricht ist, dass die Ethnographie bisher sehr von dem Aspekt des “Reisens” geprägt wurde, was eine sogennante “face to face” Interaktion mit dem ethnographischen Forschungsfeld mitsichbrachte. Die körperliche Reise und ihre daraus resultierende physische Anteilnahme am Forschungsfeld, war/ist ausschlaggebend für die Authenzität der ethnographischen Forschung. Durch Second Life oder generell durch „Virtual Worlds“, entfällt dieser Aspekt der physischen Reise völlig, jedoch bedeutet das nicht in meinen Augen, dass dadurch die Authenzität der Erforschung von virtuellen Welten in Frage gestellt wird oder gar als wertlos verstanden werden muss. weiterlesen ‘Zu den Methoden der Virtuellen Ethnographie’

19
Jun
09

Offline und Online forschen? Herausforderungen der Cyberethnologie am Beispiel von „The Palace“

von Fee Feiereisen

medienethnologie

Einleitung

Das Internet spielt eine zentrale Rolle im privaten sowie beruflichen Alltag und ist ein fester Bestandteil der modernen Kommunikation, Informationsbeschaffung und Freizeitgestaltung. Aus einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts geht hervor, dass im ersten Quartal 2006 56 % der ‚User’ das Internet täglich bzw. fast täglich nutzten (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland: Pressemitteilung Nr. 079 vom 27.02.2009). Als fester Bestandteil des Lebens ist daher das Internet in seiner Funktion als Freizeitbeschäftigung auch zum Forschungsgebiet für Ethnologen geworden. Von besonderer Wichtigkeit ist das Erforschen von „virtual worlds,“ online Welten und Kommunikationsportale im Internet, wie beispielsweise The Palace oder Second Life. Indem den sozialen Handlungen in diesen virtuellen Welten Bedeutung zugeschrieben wird, entsteht Kultur. Der Teilbereich der Ethnologie, der sich „mit kulturellen Ausprägungen in dem durch das Internet konstituierten sozialen Raum (Cyberspace) und seinem jeweiligen soziokulturellen Kontext befasst,“ wird „Cyberethnologie“ oder „Anthropologie des Cyberspace“ genannt.

Der Anthropologe Mário José Lopes Guimarães Jr. führte 1998 eine Forschung in The Palace durch und verfasste eine Ethnographie über diese im Cyberspace erzeugte Kultur. (Er führte diese Forschung ihm Rahmen seines Masters an der Federal University of Santa Catarina (Brasilien) durch: ‚Living at the Palace: The Ethnography of a Social Environment in Cyberspace’ (1998-2000).)  Seine Forschung soll mir in dem hier vorliegenden Essay als Beispiel dienen, um mich mit den Herausforderungen der online Forschung auseinanderzusetzen, die Relevanz von offline Kontexten sowie die Problematik von online Forschungen zu thematisieren und herauszufinden, in wiefern sich enthnologische Forschungsmethoden den neuen Rahmenbedingungen anpassen müssen. Die zweidimensionale Plattform The Palace wurde 1995 von Jim Bumgardner für die Firma Time Warner Interactive entwickelt. Die User dieser virtuellen Gesellschaft werden durch selbstgewählte Avatare, digitalen Stellvertretern, präsentiert und setzen sich aus diversen Internetnutzern unterschiedlicher geographischer und sozialer Herkunft sowie Altersgruppen zusammen. Die einzelnen User verbinden mit The Palace verschiedene individuelle Bedeutungen: beispielsweise fungiert es zum Aufrechterhalten von Freundschaften über große Distanzen hinweg oder zum Schließen neuer Bekanntschaften.

„Auch bei Internetgemeinschaften handelt es sich oft um Konglomerate räumlich weit verstreuter Anwender. Wie beim Nationalgefühl ist im Cyberspace in diesen Fällen Gemeinschafts- oder Identitätsgefühl medial vermittelt und imaginiert.“ (Birgit Bräuchler 2005, S. 23)

Online Welten setzen sich über Raum und Zeit hinweg, indem sie Menschen unterschiedlicher Länder und Zeitzonen miteinander verbinden. weiterlesen ‘Offline und Online forschen? Herausforderungen der Cyberethnologie am Beispiel von „The Palace“’

18
Jun
09

Essay: Tom Boellstorff – Coming of Age in Second Life, Kapitel 3

von Tobias Knoll

medienethnologie

Vor einiger Zeit erlebte die „virtuelle“ Welt „Second Life“ des Entwicklerstudios „Lindon Labs“ sowohl in den öffentlichen Medien, als auch bei einigen Wissenschaftlern eine enorme Popularität. Während das breite öffentliche Interesse (zusammen mit den Benutzerzahlen) an Second Life mittlerweile wieder eher überschaubare Dimensionen angenommen hat, ist das wissenschaftliche Interesse bis heute ungebrochen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zu vielfältig um im Rahmen dieses Essays vollständig beleuchtet zu werden. Aber besonders für die Kulturwissenschaften bietet sich mit der „virtuellen“ Welt von Second Life, dessen Inhalte, Ziele und Regeln (im Gegensatz zu solchen persistenten Online-Welten wie World of Warcraft oder Everquest, die eher als „Spiel“ klassifiziert werden können) zu großen Teilen von den Benutzern und Bewohner der Welt selbst erstellt und festgelegt werden, ein enorm reichhaltiger Forschungsgegenstand.

Mit einer solchen „virtuellen“ Welt als Gegenstand der Untersuchung, die sich nicht nur von der „realen“ Welt zu unterscheiden scheint (oder etwa nicht?), sondern auch von anderen, auf den ersten Blick vergleichbaren, Online-Welten (s.o.), kommt unweigerlich auch die Frage nach einer spezifischen Methodik auf, die den Anforderungen eines solchen Forschungsumfeldes genügt.

Genau mit dieser Methodik hat sich Tom Boellstorff, Professor für Anthropologie an der Universität Irvine, Kalifornien, als Teil seiner Forschungsarbeit in Second Life beschäftig. Die Ergebnisse dieser Arbeit hat er in seinem 2008 erschienenen Buch Coming of Age in Second Life veröffentlicht. Kapitel 3 des Buches („Method“) befasst sich, wie der Titel schon sagt, mit der Methode, die Boellstorff bei seiner Feldforschung in Second Life verwendete. Und eben mit diesem Kapitel, und damit der Methodik von Boellstorff, soll sich dieses Essay befassen. Zu diesem Zweck sollen zunächst in aller Kürze die meiner Ansicht nach wichtigsten Ansätze Boellstorffs (zunächst unkommentiert) wiedergegeben werden, worauf ich dann im zweiten Teil des Essays persönlich zu den einzelnen Punkten Stellung beziehen werde.

Kapitel 3 von „Coming of age in Second Life“ ist in sechs Abschnitte unterteilt („Virtual Worlds in their own Terms“, „Anthropology and Ethnography“, „Interviews, Focus Groups and beyond the Plattform“, „Ethics“ und „Claims and Reflexivity“). weiterlesen ‘Essay: Tom Boellstorff – Coming of Age in Second Life, Kapitel 3′